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Mehrwert: So ist Berlin wirklich
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Olympiastadion Berlin:
Geschichte, NS-Architektur, Bedeutung und Nutzung heute
So Freunde,
ich bin ehrlich:
Ich bin sportbegeistert – aber nie wirklich fußballverrückt gewesen.
Ich habe jahrelang Handball gespielt. Für die OGs:
SG Narva, Rotation Prenzlauer Berg, später AC Berlin.
Fußball war bei mir eher so:
WM, EM, Fanmeile. Wenn man das nicht von klein auf mitbekommt, entwickelt man selten diese klassische Fußball-Leidenschaft, die ich bei Freunden beobachte.
Und genau deshalb bleibt mir ein Moment extrem hängen:
Juli 2014. Berlin. Fanmeile.
500.000 Menschen. 1,5 Promille. Alle schreien. Alle liegen sich in den Armen.
Egal wer du bist.
Dieses Gefühl von Zusammenhalt – eins der letzten Male, wo sich Deutschland wirklich wie „eins“ angefühlt hat. Ich stand damals mit all meinen Freunden mitten in dieser Menge – und es war eines dieser Erlebnisse, die man nicht vergisst. Neben der Loveparade gehört das für mich zu den Momenten, die Berlin wirklich ausmachen.
Heute fühlt sich vieles deutlich fragmentierter an – vielleicht fällt es genau deshalb so stark auf.
Und genau dieses Zusammenhalt-Gefühl bringt dich irgendwann auch ins
Olympiastadion Berlin.
Ich war dort öfter:
– Bundesliga-Spiele (meistens, weil ich mitgeschleppt wurde)
– Länderspiele
– Leichtathletik (ISTAF etc.)
Aber irgendwann passiert etwas:
Du gehst durch dieses Stadion –
und merkst, dass hier mehr ist als nur Sport.
Olympiastadion Berlin: Was du siehst – und was es wirklich ist
Du läufst auf das Stadion zu.
Viel Stein.
Breite Flächen.
Kaum Ablenkung.
Kein moderner Glanz. Kein „Event-Feeling“.
Stattdessen:
– massive Wände
– klare Linien
– fast schon einschüchternde Weite
Und dann gehst du rein.
Und genau da beginnt der Punkt, den viele nicht verstehen:
Das Olympiastadion Berlin ist keine neutrale Architektur.
Es wurde nie neutral gebaut.
Geschichte Olympiastadion Berlin: Warum es wirklich existiert
Das Olympiastadion wurde von 1934 bis 1936 gebaut.
Für die Olympischen Spiele 1936 in Berlin.
Architekt: Werner March.
Kapazität damals: rund 100.000 Menschen.
Aber das Stadion war nie das eigentliche Ziel.
Es war Teil einer viel größeren Anlage:
dem sogenannten Reichssportfeld Berlin.
Und dieses Gelände war nicht einfach eine Sportstätte.
Es war eine geplante Inszenierung von Macht.
Ähnliche Entwicklungen lassen sich auch an anderen Orten in Berlin beobachten – zum Beispiel am Flughafen Tempelhof – ein Ort, den wir in unserem Blog Berlin Geschichte: Flughafen Tempelhof im Detail aufarbeiten, der später eine völlig andere Rolle für die Stadt übernommen hat, ursprünglich aber ebenfalls stark politisch geprägt war.
Olympiastadion Berlin NS-Zeit: Architektur als Werkzeug
Alles an diesem Ort ist geplant:
– die Ost-West-Achse
– die Blickführung
– die Größe
– die Materialwahl
Du gehst vom Olympischen Platz auf das Stadion zu.
Durch das Stadion.
Und blickst durch das Marathontor direkt Richtung Glockenturm und Maifeld.
Das ist kein Zufall.
Das ist Inszenierung.
Das Maifeld konnte bis zu 240.000 Menschen aufnehmen.
Nicht für Sport – sondern für Aufmärsche.
Die Architektur sollte:
– beeindrucken
– kontrollieren
– lenken
Und gleichzeitig der Welt zeigen:
Deutschland ist stark, modern und geeint.
Die Olympischen Spiele 1936 waren genau dafür da.
Während im Hintergrund längst ein ganz anderes System lief.
Wenn du das einmal verstanden hast,
siehst du dieses Stadion komplett anders.
Olympiastadion Berlin Architektur einfach erklärt (vor Ort gedacht)
Stell dir vor, du gehst durch das Marathontor.
Du stehst im Stadion.
Vor dir öffnet sich dieser riesige Raum.
Hinter dir: Stein.
Vor dir: Weite.
Und genau diese Wirkung ist gewollt.
Die Architektur ist bewusst reduziert:
– Muschelkalk statt moderner Materialien
– klare Linien statt Details
– massive Pfeiler statt Leichtigkeit
Selbst die Skulpturen sind Teil davon:
– Diskuswerfer
– Stafettenläufer
– Rosseführer
Das sind keine zufälligen Figuren.
Sie stehen für ein bestimmtes Bild von Körper, Leistung und Stärke.
Auch die Türme rund um das Gelände
(Preußen-, Bayern-, Sachsen-, Friesen-, Franken-, Schwabenturm)
verstärken dieses Bild.
Du bewegst dich hier durch eine durchdachte Bühne.
Die meisten erleben Berlin immer gleich.
Sehenswürdigkeiten, lange Wege, viel Googeln.
Und am Ende: viel gesehen, aber wenig verstanden.
Berlin funktioniert anders.
Die Stadt zeigt sich nicht über Hotspots –
sondern über Orte, die man kennen muss.
Ich bin Berliner und arbeite seit Jahren in der Hotellerie
und sehe täglich, wie Besucher die Stadt erleben – und oft falsch einschätzen.
Genau deshalb habe ich über 500 echte Orte in Berlin gesammelt.
Keine Touri-Spots. Keine klassischen Listen.
Sondern Orte, die hier wirklich funktionieren –
direkt in deinem Google Maps, sofort nutzbar.
Reichssportfeld Berlin: Das System hinter dem Stadion
Das gesamte Reichssportfeld Berlin wurde als zusammenhängende Anlage geplant und umgesetzt.
Das Olympiastadion funktioniert nur im Zusammenhang mit dem gesamten Gelände:
– Olympischer Platz (Eingang & Auftakt)
– Stadion
– Schwimmstadion
– Maifeld (Aufmärsche)
– Glockenturm (Abschluss der Achse)
– Langemarckhalle (Gedenkraum)
– Waldbühne
Alles ist miteinander verbunden.
Alles folgt einer Linie.
Alles hat eine Bedeutung.
Und genau deshalb reicht es nicht, das Stadion isoliert zu betrachten.
Historische Kommentierung Olympiastadion Berlin: Was heute sichtbar gemacht wird
Ein Punkt, den fast niemand kennt:
Heute gibt es über das gesamte Gelände verteilt
eine historische Kommentierung.
Das bedeutet konkret:
– über 45 Bild-Text-Tafeln
– rund 26 Stationen allein im Stadionbereich
– zusätzliche Stationen im gesamten Olympiapark
– zweisprachige Inhalte
– direkt am Ort des Geschehens
Du läufst also nicht einfach nur durch das Gelände.
Du kannst nachvollziehen, was hier passiert ist.
Wie gebaut wurde.
Warum gebaut wurde.
Und welche Rolle dieser Ort gespielt hat.
Das Ganze funktioniert wie ein offenes Museum – draußen.
Und das war kein einfacher Prozess:
– politische Diskussionen
– Streit über den Umgang mit NS-Architektur
– Insolvenz der Baufirma während der Umsetzung
– inhaltliche Konflikte, wie viel gezeigt werden darf
Am Ende wurde entschieden:
Nicht verstecken.
Nicht entfernen.
Sondern erklären.
Genau dieser Umgang macht Berlin aus.
Ein ähnliches Beispiel ist der Flughafen Tempelhof – dazu findest du auch unseren ausführlichen Beitrag Berlin Geschichte: Flughafen Tempelhof, der genau diesen Wandel zeigt – ein Ort, der heute komplett anders genutzt wird, aber historisch genauso tief mit der Berliner Geschichte verbunden ist.
Olympiastadion Berlin nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach 1945 wurde das Stadion nicht zerstört – sondern weiter genutzt.
Aber mit bewussten Veränderungen:
– die ehemalige „Führerloge“ wurde verkleinert
– der Glockenturm wurde gesprengt und später neu aufgebaut
– Nutzung durch britische Alliierten
Das Stadion blieb.
Aber seine Bedeutung verschob sich.
Umbau 2000–2004: Moderne trifft Geschichte
Für die Fußball-WM 2006 wurde das Stadion grundlegend modernisiert.
Kosten: rund 242 Millionen Euro.
Wichtig dabei:
Es wurde nicht neu gebaut.
Sondern:
– die historische Substanz erhalten
– die alten Natursteine gereinigt und wiederverwendet
– das Spielfeld abgesenkt
– ein komplettes Dach integriert
– moderne Technik eingebaut
Und dann dieser Moment, wenn du reingehst:
Außen: schwer, monumental, Vergangenheit
Innen: offen, modern, blau (Tartanbahn von Hertha BSC)
Dieser Bruch ist gewollt.
Olympiastadion Berlin heute: Nutzung und Realität
Heute ist das Stadion:
– Heimstadion von Hertha BSC
– Austragungsort des DFB-Pokalfinales (seit 1985)
– Spielort von WM, EM und internationalen Finals
– Leichtathletik (z. B. ISTAF)
– Bühne für Konzerte und Großevents
Zusätzlich:
– NFL-Spiele
– Papstbesuch
– Weltrekorde (Usain Bolt 2009)
Das Stadion ist heute kein politischer Ort mehr.
Aber seine Struktur ist noch da.
Zahlen & Fakten Olympiastadion Berlin
– Bauzeit: 1934–1936
– Eröffnung: 1. August 1936
– ursprüngliche Kapazität: ca. 100.000
– heutige Kapazität: 73.856
– Fläche: über 56.000 m²
– Umbaukosten: ca. 242 Mio. €
– Parkplätze: ca. 815
– eigene Kapelle im Stadion
– unterirdische Aufwärmhalle
– Anbindung: U2 & S-Bahn
Neben den bekannten Zahlen gibt es einige Details, die oft übersehen werden:
– modernste Kamera- und Überwachungssysteme mit über 100 Kameras und zahlreichen Perspektiven im gesamten Stadion
– großflächige Anzeigetafeln mit mehreren hundert Quadratmetern Fläche
– komplexe Infrastruktur unter dem Stadion mit verschiedenenTrainingbereichen
– technische Anlagen, die Veranstaltungen mit zehntausenden Besuchern gleichzeitig steuern können
Diese Details zeigen:
Das Olympiastadion ist nicht nur historisch interessant – sondern auch technisch eine der komplexesten Veranstaltungsstätten in Deutschland.
Persönlich: Wie sich das Olympiastadion wirklich anfühlt
Du sitzt dort.
Spiel läuft.
Leute schreien.
Emotionen gehen hoch.
Und gleichzeitig:
Diese Architektur bleibt.
Du merkst sie.
Vielleicht nicht bewusst – aber sie ist da.
Diese Mischung aus:
– Geschichte
– Größe
– Stimmung
macht diesen Ort anders.
Einordnung: Warum das Olympiastadion Berlin wichtig ist
Viele kommen hierher für:
– Fußball
– Events
– Konzerte
Und gehen wieder.
Wenn du hier aber nur ein Spiel siehst,
hast du den Ort nicht verstanden.
Das Olympiastadion zeigt:
– wie Architektur genutzt werden kann
– wie Geschichte sichtbar bleibt
– wie sich Bedeutung verändert
Viele solcher Orte in Berlin haben genau diese zweite Ebene – Geschichte, Brüche, alte Nutzung. Wenn dich das interessiert, wirst du auch bei Lost Places in Berlin genau solche Zusammenhänge wiederfinden.
Genau solche Orte findest du ebenfalls in unseren Berlin Insider Tipps – Orte, die nicht sofort offensichtlich sind, aber dir die Stadt wirklich erklären.
Wenn du Berlin nur aus der klassischen Touristenperspektive kennst, lohnt sich auch ein Blick auf unseren Blog Berlin als Tourist – dort siehst du genau, wo die meisten falsch abbiegen.
Gerade für Gruppen oder Schulklassen ist das Olympiastadion einer der Orte, die Geschichte greifbar machen – mehr dazu findest du auch in unserem Beitrag Berlin Klassenfahrt.
Fußball in Berlin: Warum das Olympiastadion anders ist
Was man in Berlin aber definitiv sagen muss:
Berlin funktioniert an Spieltagen anders als viele andere Städte.
Du hast hier kein geschlossenes Bild wie zum Beispiel in Dortmund, wo die ganze Stadt im gelben Fahnenmeer steht.
Berlin ist nicht komplett blau-weiß. Viele Besucher in Berlin haben mich während meiner Zeit in der Hotellerie danach gefragt.
Und das hat meiner Meinung nach mehrere Gründe:
– Durch die Teilung Berlins gibt es zwei große Vereine (Hertha und Union)
– Viele Zugezogene bringen ihren eigenen Verein mit
– Gentrifizierung verändert die Fanstruktur
– Und ganz simpel: Berlin ist riesig
Das Olympiastadion liegt nicht mitten in der Stadt, sondern eher außerhalb.
Die Fans kommen aus ganz unterschiedlichen Ecken – und oft auch mit ganz unterschiedlichen Hintergründen.
Genau deshalb fühlt sich Fußball in Berlin anders an.
Weniger geschlossen.
Weniger einheitlich.
Aber vielleicht auch ehrlicher.
Fazit: Olympiastadion Berlin verstehen heißt Berlin verstehen
Das Olympiastadion ist kein einfacher Ort.
Und genau deshalb ist es wichtig.
Es zeigt dir:
– Vergangenheit
– Gegenwart
– Konflikt
– Veränderung
Alles gleichzeitig.
Und genau das ist Berlin.
Unfertig.
Widersprüchlich.
Echt.
Berlin ist keine Sehenswürdigkeit. Berlin ist eine Stadt.
Wir sehen uns im ehrlichen Berlin – oder hier im nächsten Blog.
Haut rein 🖤
Quellen: Buch "Olympiastadion Berlin" von Volker Kluge | Buch "Olympiastadion Berlin" von Zeitgeist Media | Buch "Fußballstadien Europas" von Michael Heatley | Buch "Panorama eines Bauwerk Olympiastadion Berlin" von Jovis | Viele der Bilder in diesem Beitrag sind Beispielbilder und stammen nicht von den besuchten Orten.
Häufige Fragen zum Olympiastadion
Wo ist das Berliner Olympiastadion?
Die offizielle Adresse des Olympiastadions Berlin lautet:
Olympischer Platz 3, 14053 Berlin.
Wichtige Informationen zur eurer Anreise:
Öffentliche Verkehrsmittel: Die U-Bahn-Linie U2 (Bahnhof Olympiastadion) und die S-Bahn S3 und S9 (Bahnhof Olympiastadion) bieten direkte Verbindungen von etlichen Stationen zum Olympiastadion.
Haupteingang: Das im Text erwähnte Osttor ist der Hauptzugang.
Parken: Parkplätze für euren PKW stehen in der Nähe zur Verfügung, z.B. an der Trakehner Allee.
Wir empfehlen allerdings die Anreise mit öffentlichen Verkehrsmitteln.
Warum wurde das Olympiastadion Berlin gebaut?
Das Olympiastadion Berlin wurde zwischen 1934 und 1936 für die Olympischen Spiele 1936 errichtet.
Es war Teil des sogenannten Reichssportfelds und diente nicht nur sportlichen Zwecken, sondern auch der politischen Inszenierung des nationalsozialistischen Regimes.
Die Architektur und gesamte Anlage wurden gezielt genutzt, um Macht, Stärke und Einheit nach außen darzustellen.
Welche Rolle spielt die NS-Zeit im Olympiastadion Berlin?
Die NS-Zeit ist ein zentraler Bestandteil der Geschichte des Olympiastadions.
Das Stadion wurde bewusst als propagandistisches Bauwerk geplant und umgesetzt. Viele architektonische Elemente, wie die Achsenführung oder die monumentale Bauweise, dienten der Inszenierung von Massen und Ideologie.
Heute wird dieser Hintergrund durch die „Historische Kommentierung“ vor Ort erklärt und eingeordnet.
Wofür wird das Olympiastadion Berlin heute genutzt?
Heute ist das Olympiastadion eine der wichtigsten Veranstaltungsstätten in Deutschland.
Es ist Heimstadion von Hertha BSC, Austragungsort des DFB-Pokalfinales und wird regelmäßig für internationale Fußballspiele, Leichtathletik-Events wie das ISTAF sowie große Konzerte genutzt.
Trotz moderner Nutzung bleibt die historische Bedeutung des Stadions weiterhin sichtbar.
Entdecke auch unsere Blogs zum Thema Berlin Insider Tipps.
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