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1UP:

Warum diese drei Zeichen für viele Berliner mehr sind als Graffiti

11. Juni 2026 - Phil Ernst - Berliner Concierge

1UP gehört zu den bekanntesten Graffiti-Crews aus Berlin.

Seit 2003 taucht der Name – kurz für One United Power – auf Dächern, U-Bahnen, Fassaden und Zügen auf, später auch weit über Berlin hinaus.

Für uns ist 1UP Kunst, Subkultur und Berliner Geschichte. Für andere Sachbeschädigung. Beides gehört zur Geschichte dazu.

Foto von einem Gebäude an der Spree in Berlin-Friedrichshain mit einem Graffiti von "1UP"

Wer ist 1UP Berlin?

1UP ist eine Berliner Graffiti-Crew, die 2003 gegründet wurde und heute international bekannt ist.

Statt einzelne Sprayer in den Vordergrund zu stellen, arbeitet die Crew unter einem gemeinsamen Namen: 1UP – One United Power.

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Foto von einem grünen Graffiti-Schriftzug auf einer beschmierten Hauswand in West-Berlin.

Wofür steht 1UP – One United Power?

One United Power bedeutet sinngemäß „Eine vereinte Kraft“.

Im Selbstverständnis der Crew stehen Gemeinschaft, Freundschaft, Vertrauen und gemeinsame Aktionen stärker im Vordergrund als einzelne Namen oder individuelle Bekanntheit.

Foto von einer beklebten Hauswand mit dem Schriftzug "Das ist Berlin"

1UP Berlin: Fakten auf einen Blick

1UP wurde 2003 in Berlin gegründet.

Die Crew wurde vor allem durch großflächige Graffiti, bemalte Züge, Dächer und internationale Aktionen bekannt. Der gemeinsame Name One United Power steht dabei für die kollektive Identität. 2011 erschien der Film „One United Power“, 2018 folgten das Buch und die Ausstellung „One Week with 1UP“ mit den Fotografen Martha Cooper und Ninja K.

Foto der Oberbaumbrücke in Berlin  bei Sonnenuntergang.

Woher kannte man 1UP?

So Freunde,

ich bin in Berlin-Friedrichshain nahe der Oberbaumbrücke aufgewachsen.

Und wenn man dort aufwächst, kommt man an Graffiti nicht vorbei – und schon gar nicht an 1UP.

Graffiti in Berlin war für mich lange kein Thema. Es war einfach da.

An den Bahnhöfen der U1. Auf Hochhäusern und Dächern entlang der Ringbahn. Auf Plattenbauten, in der Innenstadtund an U-Bahnhöfen. Später in Sichtweite der neuen A100.

Irgendwo stand immer etwas. Irgendwo war immer Farbe.

Und das klingt heute fast absurd, aber mir wurde ehrlich gesagt erst ziemlich spät bewusst, dass das überhaupt nicht erlaubt ist.

Nicht weil mir das jemand erklärt hätte. Sondern weil es sich nie wie etwas Fremdes angefühlt hat.

Viele in meiner Klasse kannten 1UP damals nicht aus Dokumentationen oder aus dem Internet. Sondern über große Geschwister, über Graffiti-Läden rund um die Warschauer Straße, über Berliner HipHop oder einfach, weil man die Schriftzüge ständig gesehen hat.

Gerade Ende der 2000er wurde viel geredet auf den Straßen.

Wer irgendwo was gemalt hat. Welche Crew unterwegs war. Wer erwischt wurde.

Und in meinem Umfeld fühlte es sich damals manchmal so an, als würde entweder jeder selbst malen oder mindestens jemanden kennen, der in einer Crew war.

Grüße an Philipp und SAL.

Heute wirkt das manchmal größer erzählt, als es vielleicht war. Damals war es einfach Alltag.

Foto von einem Graffiti auf einer grauen Wand mit Backsteinen und dem Spruch: Kreuzberg bleibt unhöflich"

Warum konnte 1UP ausgerechnet in Berlin entstehen?

Die kurze Antwort: Weil Berlin Anfang der 2000er eine andere Stadt war. Es gab mehr Brachen, Freiräume und Zwischenräume – und eine Graffiti-Kultur, in der sich eine Crew wie 1UP entwickeln konnte.

Nicht leer. Nicht gesetzlos.

Aber mit deutlich mehr Ecken, an denen nicht sofort jemand zuständig war. Mehr Häusern, die noch nicht vollständig verwertet waren. Mehr Raum für Dinge, die nicht geplant, genehmigt oder angekündigt wurden.

1UP wurde 2003 in Berlin gegründet und entstand aus einem kleinen Kreis, der später zu einem größeren Kollektiv wurde. Die genaue Mitgliederzahl blieb bewusst unklar.

Entscheidend war ohnehin etwas anderes:

Nicht einzelne Namen sollten sichtbar werden – sondern nur drei Zeichen. 1UP.

Das passt zu einem Berlin, das damals stark von Aneignung geprägt war. Freie Räume, Zwischennutzung, besetzte Häuser, selbst machen, nicht warten. 1UP selbst nannte in Interviews unter anderem das alte Kreuzberg, Multikulti, Freiräume und Ton Steine Scherben als Einflüsse.

Das bedeutet nicht, dass jeder diese Haltung gut finden muss. Aber ohne dieses Berlin wäre die Geschichte von 1UP wahrscheinlich anders verlaufen.

Berliner Pflicht ist es ebenfalls, diese Dokumentation von 1UP zu sehen.

Foto von einem großen 1UP-Graffiti neben anderen Graffitis in Berlin.

Warum steht bei 1UP die Crew über dem einzelnen Sprayer?

Bei 1UP entscheidet nicht einfach Talent darüber, wer dazugehört. 

In Interviews beschreibt die Crew Freundschaft, Vertrauen, gemeinsame Reisen und Erlebnisse als entscheidender als die Frage, wer die besten Buchstaben malt.

Das unterscheidet 1UP von dem Bild, das viele von Graffiti haben.

Der einzelne Sprayer. Kapuze. Dose. Name an der Wand.

Bei 1UP steht dagegen das Kollektiv im Mittelpunkt. Wer malt, filmt, aufpasst oder bei einer Aktion andere Aufgaben übernimmt, kann Teil davon sein. Entscheidungen werden nach eigener Darstellung eher gemeinsam und im Konsens getroffen als durch eine feste Hierarchie.

Die Crew beschreibt sich deshalb eher als Familie als als Organisation.

Und genau das erklärt auch den Namen.

Wenn am Ende überall nur 1UP steht, verschwindet der einzelne Writer hinter dem gemeinsamen Zeichen. Sichtbar wird nicht eine Person, sondern die Gruppe.

Foto von vielen verschiedenen Graffitis auf den Dächern Berlins.

Warum war für 1UP die Aktion oft wichtiger als das fertige Graffiti?

Für 1UP war ein Graffiti nicht nur das fertige Bild. Planung, Aufpassen, Filmen, gemeinsames Risiko und der Weg zurück gehörten nach eigener Darstellung genauso zur Aktion wie die Farbe auf dem Zug oder der Wand.

Manchmal waren dabei 20 Leute an einer Aktion beteiligt, die nach anderthalb Minuten wieder vorbei war.

Die Crew erzählt selbst von Wholetrains, bei denen Farbe fehlte, Linien nicht fertig wurden oder Details vergessen wurden – und die Aktion trotzdem als gelungen galt.

Weil das Werk für sie nicht erst auf dem Zug entstand.

Sondern beim Planen. Beim Filmen. Beim Aufpassen. Beim gemeinsamen Weg zurück.

Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum 1UP von außen oft schwer nur als Stil oder Schriftzug zu verstehen ist. Gruppendynamik, Logistik und Vertrauen gehören genauso zur Geschichte.

Die meisten erleben Berlin immer gleich.
Sehenswürdigkeiten, lange Wege, viel Googeln.
Und am Ende: viel gesehen, aber wenig verstanden.

Berlin funktioniert anders.
Die Stadt zeigt sich nicht über Hotspots –
sondern über Orte, die man kennen muss.

Ich bin Berliner und arbeite seit Jahren in der Hotellerie
und sehe täglich, wie Besucher die Stadt erleben – und oft falsch einschätzen.

Genau deshalb habe ich über 500 echte Orte in Berlin gesammelt.
Keine Touri-Spots. Keine klassischen Listen.
Sondern Orte, die hier wirklich funktionieren –
direkt in deinem Google Maps, sofort nutzbar.

Foto von einem blauen 1UP-Schriftzug auf einer Hauswand in Berlin.

Warum sieht man 1UP überall in Berlin?

Die kurze Antwort: Weil Sichtbarkeit nie Zufall war. 1UP malte bewusst an Orten und auf Flächen, die möglichst viele Menschen sehen konnten – darunter Züge, Dächer, Fassaden und andere weithin sichtbare Stellen.

Viele Arbeiten entstanden als sogenannte Throw-Ups – schnelle, großflächige Schriftzüge. Dazu kamen Techniken mit Rollern, Feuerlöschern und anderen Werkzeugen, mit denen sich in kurzer Zeit große Flächen bearbeiten ließen.

Silber spielte dabei häufig eine besondere Rolle: gute Deckkraft, starke Reflexion, hohe Sichtbarkeit.

Wenn man heute Fotos von 1UP sieht, wirken manche Aktionen fast wie fertige Medienproduktionen. Dabei gehört genau diese Dokumentation zur Geschichte der Crew.

Graffiti endete für 1UP irgendwann nicht mehr an der Wand.

Filme. Fotos. Dokumentationen. Verbreitung.

2011 erschien der Film „One United Power“, der Aktionen aus verschiedenen Ländern zeigte und in Berlin im Kino präsentiert wurde.

Und trotzdem blieb die Stadt immer sichtbar.

Nicht als Kulisse. Sondern als Ursprung.

Foto von der berühmten Hauswand vom Kunsthaus Tacheles mit den Spruch "How long is now?"

Wie wurde 1UP international bekannt?

1UP wurde international bekannt, weil die Crew ihre Aktionen früh außerhalb Berlins fortsetzte und gleichzeitig über Filme, Fotos, Bücher und Ausstellungen dokumentierte. Aus einem Berliner Namen wurde so ein weltweit bekanntes Graffiti-Kollektiv.

Athen. Paris. Istanbul. Thailand. Kuba. Australien. Indonesien. New York. Mailand. Tokio.

Reisen beschreibt die Crew dabei weniger als klassische Street-Art-Touren, sondern als gemeinsame Zeit: teilweise mit 20 Leuten, Farben, Eimern und dem Versuch, eine fremde Stadt nicht nur als Besucher zu erleben.

2011 erschien der Film „One United Power“ mit Aktionen aus verschiedenen Ländern.

2018 folgte „One Week with 1UP“. Die Graffiti-Fotografin Martha Cooper und die Fotografin Ninja K begleiteten die Crew bei der Vorbereitung und Durchführung ihrer Aktionen. Das daraus entstandene Buch zeigte damit nicht nur fertige Graffiti, sondern auch das, was normalerweise verborgen bleibt: Planung, Rollenverteilung und Zusammenarbeit.

Der Titel ist dabei etwas irreführend. Aus der geplanten Woche wurde eine wesentlich längere Begleitung.

Aus drei Berliner Zeichen war längst etwas geworden, das international dokumentiert, ausgestellt und diskutiert wurde.

Foto von einem 1UP Shirt in rot und darunter "IndonesiaUP"

Warum Berliner oft anders auf 1UP schauen als Besucher

Ich erinnere mich noch ziemlich gut an meine Zeit im Kunsthaus Tacheles.

Ich müsste ungefähr 14 oder 15 gewesen sein. Wir waren oft dort.

Nicht wegen eines Programms. Nicht weil irgendein Event angekündigt war.

Sondern weil man dort einfach hingehen konnte.

Schlendern. Zeit verbringen. Leute beobachten.

Im Tacheles liefen die verschiedensten Menschen herum.

Künstler. Touristen. Berliner. Obdachlose. Dealer.

Leute, bei denen man nie wusste, ob sie dort arbeiten, wohnen oder einfach seit drei Tagen dort sitzen. Und trotzdem hatte man dort erstaunlich oft gute Gespräche.

Ich habe dort mein erstes Live-Bombing von 1UP gesehen.

Nicht als großes Spektakel. Nicht mit Handy hochhalten. Sondern eher nebenbei.

So wie vieles damals in Berlin passiert ist.

Dort habe ich auch meine ersten 1UP-Fotokopien gekauft. Große Murals. Schwarzweiß. Relativ simpel. Dazu irgendwann meine erste Graffiti-DVD.

Damals war das für mich einfach ein Souvenir aus einer Welt, die gleichzeitig völlig offen und komplett verschlossen wirkte und mich in meiner Jugend sehr beeindruckte.

Touristen sehen oft das fertige Bild. Den Spot. Die Dachkante. Das Foto.

Viele Berliner erinnern sich eher an das Davor.

An die Gespräche. Die Gerüchte. Die Wege entlang der U1. Die Freunde mit Sprühflecken auf den Schuhen.

Foto von einem Hinterhaus voller Graffiti mit der Skyline von NewYork im Hintergrund.

Ist 1UP Kunst oder Sachbeschädigung?

Für manche ist 1UP Berliner Stadtkultur und Kunst. Juristisch können ungenehmigte Graffiti jedoch Sachbeschädigung darstellen. Genau zwischen diesen Perspektiven bewegt sich die Geschichte der Crew seit mehr als 20 Jahren.

Viele bekannte Aktionen entstanden ohne Genehmigung auf Zügen, U-Bahnen, Fassaden oder anderen Flächen.

Das hatte reale Konsequenzen: Nach Angaben einer Polizeisprecherin gegenüber dem Tagesspiegel gab es zwischen 2003 und 2017 rund 300 Anzeigen wegen Sachbeschädigung gegen die Gruppe.

Gleichzeitig beschreibt 1UP die eigenen Aktionen anders. In Interviews geht es immer wieder um die Frage, wem öffentlicher Raum gehört und warum Werbung eine Stadt legal verändern darf, während Graffiti grundsätzlich als Störung betrachtet wird.

Das muss man nicht teilen.

Aber genau dieser Konflikt gehört zur Geschichte.

1UP hat die Frage „Wem gehört die Stadt?“ nicht erfunden. Die Crew hat sie mit Farbe geführt.

Für mich als Berliner hat sich Graffiti lange nicht wie eine Ausnahme angefühlt. Nicht automatisch wie Kunst. Aber auch nicht automatisch wie Zerstörung.

Es war einfach Stadt.

Wie BVG-Sitze. Wie Spätis. Wie Baustellen. Wie diese eine Brandwand, die seit Jahren nie leer blieb.

Foto von der Abhörstation auf dem Teufelsberg mit dem Graffiti-Schriftzug "1UP"

Warum 1UP nie ganz in die Kunstwelt wechselte

Obwohl 1UP längst in Ausstellungen, Büchern und Kunstprojekten auftaucht, blieb die Straße ein wesentlicher Teil der Identität der Crew.

Es gab Filme. Ausstellungen. Bücher. Kooperationen. Verkäufe.

In Interviews erzählen Mitglieder offen, dass Einnahmen teilweise Reisen, Anwälte oder Strafen finanzierten. Nicht als klassisches Geschäftsmodell, sondern als Möglichkeit, unabhängig weiterzumachen.

Vielleicht erklärt das, warum 1UP bis heute zwischen zwei Welten steht.

Es entstand nicht aus dem Wunsch, Kunst zu verkaufen. Sondern aus dem Wunsch, sichtbar zu sein.

Und irgendwann wurde daraus trotzdem Kunst für manche.

Für andere bis heute nicht.

Foto von einem berühmte Schriftzug am Alexanderplatz "Stop Wars" als Zeichen für Wahrnehmung von Graffiti in Berlin und politischer Motivation.

Was viele über 1UP nicht wissen

Hinter vielen 1UP-Aktionen steckt deutlich mehr Planung und Organisation, als das fertige Graffiti vermuten lässt. Aufgaben werden verteilt, Orte vorbereitet und Aktionen teilweise mit Beobachtern, Fotografen und Videoleuten durchgeführt.

Maskierung. Handschuhe. Vorbereitung. Aufgabenverteilung. Fluchtwege.

Martha Cooper und Ninja K dokumentierten für „One Week with 1UP“ beispielsweise eine Aktion mit zehn Writern, drei Leuten zum Aufpassen, zwei Videofilmern und zwei Fotografen.

Die Crew beschreibt solche Aktionen nicht als Kamikaze.

Eher als kalkuliertes Risiko.

Wichtig sei nicht, dass jemand zum Helden wird. Wichtig sei, dass alle zurückkommen.

Auch die Corona-Zeit war ungewöhnlich. Während die Stadt für viele stillstand, berichteten Mitglieder später von weniger Verkehr, abgestellten Zügen und neuen Möglichkeiten.

Und hinter all diesen Geschichten stehen keine Superhelden.

Sondern Menschen, die älter werden.

In einem Porträt wird genau dieser Bruch sichtbar: erster Job, Büro, normale Arbeitszeiten und irgendwann die Frage, ob man sich heute noch einmal für dieses Leben entscheiden würde.

Die Antwort war überraschend kurz:

„Nö.“

Foto von vielen Graffitis auf verschiedensten Häusern mit einer Skyline im Hintergrund.

Ist 1UP politisch?

Ja. Politische Graffiti gehörten schon früher zu 1UP, seit den späten 2010er- und frühen 2020er-Jahren wurden politische Botschaften aber deutlich sichtbarer.

2020 unterstützte die Crew mit Graffiti und einem Video die Kampagne „Leave No One Behind“, die damals Aufmerksamkeit auf die Situation von Geflüchteten im Lager Moria auf Lesbos lenkte.

Kurz darauf folgten weitere Aktionen.

Auf einer Berliner U-Bahn standen Namen von Opfern rechter Gewalt in Deutschland. Ende Mai 2020 bemalte 1UP einen Zug in Belgien mit den letzten Worten George Floyds: „I can’t breathe“.

Die Reaktionen waren nicht nur positiv.

Die Crew berichtete auch von Menschen, die ihre Graffiti mochten, ihre politische Haltung aber ablehnten.

Das zeigt ziemlich gut, dass sich 1UP nie ausschließlich über einen Stil definiert hat.

Freundschaft. Zusammenhalt. Gemeinschaft. Familie. Kollektiv.

Politische Graffiti waren damit weniger ein kompletter Bruch als eine weitere Form der öffentlichen Intervention.

Natürlich muss man die Botschaften deshalb nicht teilen. Und politische Graffiti bleiben ungenehmigte Graffiti, wenn sie ohne Erlaubnis entstehen.

Foto von einer Hauswand vor der Spree mit einem One UP Graffiti in weiß/gelb.

Kann es eine Crew wie 1UP im heutigen Berlin noch einmal geben?

Wahrscheinlich ja – aber vermutlich nicht mehr unter denselben Bedingungen. Berlin ist stärker überwacht, dichter bebaut und kommerzieller geworden als die Stadt, in der 1UP 2003 entstand.

Smartphones und permanente Kameras haben zusätzlich verändert, wie Dinge stattfinden und verbreitet werden.

1UP selbst beschreibt in Interviews ein Berlin mit mehr Kommerzialisierung, stärkerer Eigentumslogik und weniger Freiräumen.

Natürlich gab es auch Anfang der 2000er Regeln, Anzeigen und Überwachung. Das damalige Berlin war kein rechtsfreier Raum.

Aber es gab mehr Lücken.

Und ich merke beim Schreiben, dass ich mich frage, ob ich heute eigentlich noch genauso aufwachsen würde.

Ein typischer Hinterhof voller großer Graffitis und Farben.

Hat sich Berlin verändert – oder nur unser Blick darauf?

Ob ich heute noch an der U1 entlangfahren würde und überall dieselben Namen sehe.

Ob ich mit Freunden einfach ins Tacheles verschwinden könnte.

Ob ich irgendwo Fotokopien von Murals kaufen würde.

Oder ob ich stattdessen einen Instagram-Post speichern und weiterlaufen würde.

Vielleicht verklärt man Jugend immer ein bisschen.

Aber ich glaube, etwas anderes hat sich tatsächlich verändert:

Früher hatte ich oft das Gefühl, dass Dinge in Berlin einfach passiert sind.

Heute habe ich öfter das Gefühl, dass Dinge angekündigt werden.

Und genau deshalb finde ich 1UP als Geschichte spannend.

Nicht weil ich alles gut finde. Nicht weil ich jedem Graffiti hinterherlaufe. Nicht weil ich glaube, dass Regeln egal sind.

Sondern weil diese drei Zeichen etwas zeigen, das viele Berlin-Blogs komplett auslassen:

Städte entstehen nicht nur durch Architektur, Investitionen und Sehenswürdigkeiten. Sondern auch durch die Menschen, die ihre Spuren darin hinterlassen.

Manche mit Genehmigung. Andere ohne.

Ob man das Kunst nennt oder nicht, muss jeder selbst entscheiden.

Aber zu behaupten, 1UP hätte nichts mit Berliner Geschichte zu tun, würde der Stadt wahrscheinlich nicht gerecht werden.

Und vielleicht ist das am Ende der Unterschied zwischen Touristenblick und Berliner Blick.

Viele Besucher sehen ein Graffiti.

Viele Berliner sehen plötzlich eine Zeit.

Berlin ist keine Sehenswürdigkeit. Berlin ist eine Stadt.

Wir sehen uns im ehrlichen Berlin – oder hier im nächsten Blog. Haut rein 🖤

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VIELE DER BILDER IN DIESEM BEITRAG SIND BEISPIELBILDER UND STAMMEN NICHT VON DEN GENANNTEN KÜNSTLERN.

Häufige Fragen zu 1UP

Was ist 1UP?

1UP ist eine Berliner Graffiti-Crew, die seit 2003 aktiv ist. Der Name steht für „One United Power“.

Bekannt wurde die Gruppe durch großformatige Graffiti, Aktionen im öffentlichen Raum, bemalte Züge und ihre internationale Bekanntheit weit über Berlin hinaus.

Wofür steht der Name 1UP?

1UP steht für „One United Power“, auf Deutsch ungefähr „Eine vereinte Kraft“.

Nach eigener Darstellung stehen Gemeinschaft, Freundschaft, Aktion und Zusammenhalt stärker im Mittelpunkt als einzelne Personen oder individuelle Bekanntheit.

Wo und wann wurde 1UP gegründet?

1UP wurde im September 2003 in Berlin gegründet.

Die Ursprünge der Crew liegen vor allem in Kreuzberg und dem Berliner Graffiti-Umfeld der frühen 2000er.

Warum wurde 1UP überhaupt gegründet?

1UP entstand 2003 in Berlin aus einem kleinen Freundeskreis und entwickelte sich später zu einer größeren Crew.

Im Mittelpunkt standen nach eigener Darstellung nicht einzelne Namen oder Karriere, sondern Gemeinschaft, Aktion und gemeinsame Erlebnisse.

Warum sieht man 1UP überall in Berlin?

1UP setzte früh auf große, sichtbare Flächen wie Dächer, U-Bahnen, Hausfassaden und Züge.

Viele Berliner kennen die drei Buchstaben deshalb seit Jahren aus dem Alltag – oft lange bevor sie wussten, dass dahinter überhaupt eine Crew steckt.

Was macht 1UP besonders?

Im Unterschied zu vielen klassischen Graffiti-Crews steht bei 1UP nicht nur das fertige Bild im Mittelpunkt.

Die Crew beschreibt selbst Aktion, Gemeinschaft, Planung und gemeinsame Erlebnisse als wichtigen Teil ihrer Arbeit.

Was hat 1UP mit dem Berlin der 2000er zu tun?

1UP entstand in einem Berlin mit mehr Freiräumen, Brachen und weniger durchgeplanten Stadträumen als heute.

Für viele Menschen steht die Crew deshalb auch für ein bestimmtes Berliner Lebensgefühl der 2000er und frühen 2010er.

Ist 1UP politisch?

Ja, zumindest in Teilen und besonders sichtbar seit einigen Jahren.

Die Crew griff in Aktionen unter anderem Themen wie Rassismus, Geflüchtete und gesellschaftliche Entwicklungen auf und nutzte Graffiti bewusst als öffentliche Intervention.

Ist Graffiti Sachbeschädigung oder Kunst?

Juristisch sind viele Graffiti ohne Genehmigung Sachbeschädigung.

Gleichzeitig wird Graffiti von vielen Menschen als Kunstform, Subkultur oder Ausdruck von Stadtkultur verstanden. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich auch die Geschichte von 1UP.

Warum wurde 1UP weltweit bekannt?

Neben Berliner Aktionen trugen internationale Reisen, Filme, Ausstellungen, Bücher und Social Media dazu bei, dass 1UP weit über Deutschland hinaus bekannt wurde.

Gibt es 1UP heute noch?

1UP ist weiterhin aktiv und taucht bis heute in Berlin und international auf.

Gleichzeitig hat sich die Stadt verändert – und mit ihr auch die Bedingungen, unter denen Graffiti entsteht.