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Mehrwert: So ist Berlin wirklich
RAW Gelände Berlin:
Geschichte, Kultur, Clubs & Kämpfe in Friedrichshain
Das RAW Gelände in Berlin gehört heute zu den bekanntesten Orten in Friedrichshain.
Viele kennen das Areal wegen Graffiti, Clubs, Flohmärkten oder langen Nächten rund um die Warschauer Straße – aber nur wenige wissen, dass hier über 150 Jahre Berliner Industrie-, Arbeiter-, DDR- und Subkulturgeschichte aufeinandertreffen.
Zwischen Revaler Straße, Warschauer Brücke und Boxhagener Kiez liegt einer der letzten Orte in Berlin, an dem man die Entwicklung dieser Stadt fast auf jedem Quadratmeter lesen kann.
Was ist das RAW-Gelände in Berlin?
Das RAW-Gelände ist ein ehemaliges Reichsbahnausbesserungswerk im Berliner Ortsteil Friedrichshain. Ursprünglich wurden hier Lokomotiven, Güterwagen und später Züge instand gehalten.
Heute ist das Gelände ein offener Kulturraum mit:
- Clubs
- Bars
- Street Art
- Flohmärkten
- Ateliers
- Sportangeboten
- Skatehalle
- Konzerten
- soziokulturellen Projekten
Je nach Abgrenzung umfasst das Gelände heute zwischen rund 70.000 und 85.000 Quadratmetern.
Warum heißt das RAW-Gelände RAW?
RAW steht für Reichsbahnausbesserungswerk.
Das Gelände wurde ursprünglich nicht als Partymeile gebaut, sondern als Eisenbahnwerkstatt.
Nach dem Ende der Monarchie wurde aus der damaligen Königlich-Preußischen Eisenbahnwerkstatt Berlin II das Reichsbahnausbesserungswerk – das Kürzel RAW hat sich bis heute gehalten.
Was war früher auf dem RAW-Gelände?
Lange bevor hier Menschen zu Techno, Hip-Hop oder Drum & Bass gefeiert haben, arbeiteten hier über Generationen Berliner Familien.
Auf dem Gelände gab es früher:
- Reparaturhallen für Züge und Waggons
- Metall- und Holzwerkstätten
- Ausbildungsbereiche
- Dienstwohnungen
- Kantine
- Berufsschule
- medizinische Versorgung
- Verwaltungsgebäude
Das RAW war früher kein Szeneort.
Das RAW war ein echter Berliner Arbeiterort.
Ist das RAW-Gelände ein Lost Place?
Nicht wirklich.
Aber genau das macht das RAW so besonders.
Nach der Wende stand ein großer Teil des Geländes jahrelang leer. Hallen verfielen, Eigentumsverhältnisse waren unklar, vieles wirkte wie eine Industriebrache.
Genau in dieser Phase entdeckten Künstler, Musiker und Kulturschaffende das Gelände für sich.
Wer sich für solche Orte interessiert, sollte auch unseren Beitrag zu Lost Places Berlin anschauen.
Warum hat das RAW-Gelände eine so wichtige Rolle in Berlins Geschichte?
Weil das RAW über Jahrzehnte weit mehr war als nur ein Werk.
Seit 1867 war das Gelände:
- Arbeitsplatz
- Ausbildungsstätte
- wirtschaftlicher Motor
- sozialer Treffpunkt für Generationen in Friedrichshain
Nach dem Mauerfall wurde das RAW außerdem zu einem Paradebeispiel dafür, wie Berlin leerstehende Industrieflächen in kulturelle Freiräume verwandelt hat.
Kaum ein anderer Ort erzählt Berlins Wandel so ehrlich.
Die meisten erleben Berlin immer gleich.
Sehenswürdigkeiten, lange Wege, viel Googeln.
Und am Ende: viel gesehen, aber wenig verstanden.
Berlin funktioniert anders.
Die Stadt zeigt sich nicht über Hotspots –
sondern über Orte, die man kennen muss.
Ich bin Berliner und arbeite seit Jahren in der Hotellerie
und sehe täglich, wie Besucher die Stadt erleben – und oft falsch einschätzen.
Genau deshalb habe ich über 500 echte Orte in Berlin gesammelt.
Keine Touri-Spots. Keine klassischen Listen.
Sondern Orte, die hier wirklich funktionieren –
direkt in deinem Google Maps, sofort nutzbar.
So Freunde,
das RAW ist für mich kein Ort, den ich irgendwann entdeckt habe.
Das RAW war einfach immer da.
Ich bin ungefähr zehn Minuten von hier aufgewachsen. Simon-Dach-Straße direkt um die Ecke. Warschauer Straße praktisch vor der Haustür.
Und wenn du in Friedrichshain in den 2000ern groß geworden bist, dann kamst du am RAW sowieso nicht vorbei.
Damals standen zwischen Dönerladen, erstem Eingangstor und Warschauer Brücke oft noch dutzende Dealer herum. Touristen gab es auch damals schon genug – aber Friedrichshain fühlte sich trotzdem komplett anders an als heute.
Wie oft ich dort versackt bin?
Ganz ehrlich?
Ich kann es nicht zählen.
Freitagabende Kickern und trinken im Cassiopeia mit alten Klassenkameraden.
Mittwochs Drum & Base im Suicide Circus mit meinen Gastro-Kollegen. Regelmäßig. Voll. Schweiß, Bass und morgens irgendwann wieder raus Richtung nach Hause.
Konfetti-Nächte im Astra Kulturhaus. Und genau dort hatten wir später auch unsere Abi-Partys - Berliner erinnern sich.
Wir suchten damals nach einer Location, die man als Schüler überhaupt bezahlen konnte. Das Astra war perfekt: keine Miete, solange genug Leute kommen.
Später kamen Konzerte, kleine Hip-Hop-Festivals und etliche Nächte, an die ich mich teilweise lieber nicht mehr erinnern möchte.
Das erste Mal abgezogen wurde ich übrigens genau hier.
2006. Ich war zwölf.
Willkommen in Berlin der 2000er. (Ja ich weiß, ihr erlebt es anders 😉 )
Und das letzte richtig große RAW-Erlebnis?
August 2025. Spontane Pop-up Show von Fritz Kalkbrenner vor der Skatehalle.
Über Social Media wenige Tage vorher angekündigt. Eigentlich kam man nur über Kontakte an Tickets.
Gespielt aus dem Eiswagen mit Gratis Eis.
Tausende Menschen. Unvergesslich.
Und selbst meine Eltern haben mir früher vom RAW erzählt.
Wie das Gelände nach der Wende erstmal leer stand.
Wie viele im Kiez Angst hatten, dass das ganze Areal irgendwann komplett verfällt.
Dass ausgerechnet daraus später einer der bekanntesten Kulturorte Berlins wurde, hätte damals wohl kaum jemand gedacht.
Vom Bahngelände zur Berliner Industriekultur
Das RAW wurde am 1. Oktober 1867 als Königlich-Preußische Eisenbahnwerkstatt Berlin II eröffnet.
Damals lag das Gelände noch vor den östlichen Toren Berlins.
Mit dem Wirtschaftsboom wuchs auch das Werk:
1882 wurde erweitert.
Bis zum Ende des Ersten Weltkriegs arbeiteten hier rund 1.200 Menschen.
1918 wurde daraus offiziell das Reichsbahnausbesserungswerk – kurz: RAW.
Das Gelände war einer der wichtigsten industriellen Arbeitgeber in Friedrichshain.
Krieg, Zerstörung und DDR-Alltag
1944 wurden bei Luftangriffen große Teile des Geländes zerstört.
Fast 80 Prozent der Gebäude wurden beschädigt oder vernichtet.
Nach dem Krieg wurde das Gelände wieder aufgebaut – und wurde zu einem typischen DDR-Betrieb.
Bis zu 1.700 Menschen arbeiteten hier.
Es gab:
- Werkhallen
- Verwaltungsgebäude
- Lagerhäuser
- Kantine
- Berufsschule
- medizinisches Ambulatorium
Züge fuhren auf bis zu 15 Gleisen quer über das Gelände.
Was ältere Friedrichshainer über das RAW erzählen, klingt komplett anders als heutige Clubgeschichten:
- Hämmer auf Metall.
- Quietschen.
- Kälte.
- Offene Hallen im Winter.
- Schweiß.
Viele kennen das RAW nicht als Partyort.
Sondern als Arbeitsplatz.
1967 wurde das Gelände zum hundertjährigen Bestehen in RAW Franz Stenzer umbenannt.
Bis heute erinnern Gedenksteine daran.
Was nach der Wende mit dem RAW passierte
Nach der Wiedervereinigung brauchte die Bahn das Gelände kaum noch.
1991 wurde die schrittweise Stilllegung angekündigt.
Bis 1995 war der Großteil des Betriebs Geschichte.
Danach begann das, was Berlin in den 90ern an vielen Orten geprägt hat:
Leerstand.
Unsicherheit.
Freiräume.
1999 begann mit dem RAW-Tempel die kulturelle Zwischennutzung.
Aus Werkhallen wurden:
- Ateliers
- Musikräume
- Kinderzirkus
- Theaterflächen
- Werkstätten
- Bars
- Kulturhäuser
Ein ähnlicher Wandel lässt sich übrigens auch beim Kunsthaus Tacheles oder beim Flughafen Tempelhof beobachten.
Was kann man heute auf dem RAW-Gelände machen?
Eine Menge.
Und genau deshalb kommen täglich Berliner, Familien, Touristen, Künstler und Nachtschwärmer hierher.
Urban Spree
Street Art, Ausstellungen, Konzerte und Open-Air-Kultur.
Cassiopeia
Einer der ältesten Clubs auf dem RAW – Konzerte, alternative Clubnächte und Sommergarten.
Astra Kulturhaus
Konzerte, Partys, Events – für viele Berliner Jugendgeschichte.
MAAYA
Cocktails, Burger und DJs rund um einen großen Außenpool im Sommerlook.
Crack Bellmer
Rohe Bar mit typischem RAW-Flair.
Lokschuppen
(früher Suicide Circus)
Techno, Drum & Bass und lange Nächte direkt an der Warschauer.
Bar zum schmutzigen Hobby
Schmaler, extravaganter LGBTQ-Club mit Bar, kleiner Tanzfläche, Themenabenden, guter Laune und Dragshows.
Teledisko
Eine kleine Telefonzelle, die sich in einen Mini-Club verwandelt. Ja, Berlin kann sowas.
Eine Übersicht über alle Clubs findest du hier.
Außerdem:
- Kletterkegel
- Boulderhalle
- Skatehalle
- Kinderzirkus Zack
- Open-Air Kino
- Sonntags Flohmarkt
Wenn dich urbane Kunst interessiert, schau auch in unseren Berlin Graffiti Guide oder rund um Berghain vorbei.
Wann ist Trödelmarkt auf dem RAW-Gelände?
Traditionell findet der Flohmarkt mit viel Schmuck, Klamotten, Schallplatten, Foodtrucks und Kunst meistens sonntags auf dem Gelände statt.
Da sich Veranstaltungszeiten ändern können, solltest du aktuelle Termine immer direkt vor deinem Besuch prüfen.
Kostet das RAW-Gelände Eintritt?
Das Gelände selbst ist frei zugänglich.
Eintritt zahlst du nur für:
- Clubs
- Konzerte
- spezielle Events
Je nach Veranstaltung unterscheiden sich die Preise.
Ist das RAW-Gelände gefährlich?
Ehrliche Antwort?
Das RAW hatte über Jahre einen schwierigen Ruf.
Drogenhandel, Diebstähle, Gewaltvorfälle und Lärmbeschwerden waren immer wieder Thema – besonders rund um Warschauer Straße und die angrenzenden Straßen.
Aber:
Täglich sind hier:
- Familien
- Berliner
- Touristen
- Skater
- Künstler
- Clubgänger
Wie überall rund um stark frequentierte Orte in Berlin gilt:
Aufmerksam bleiben.
Nicht komplett naiv sein.
Aber auch nicht jede Schlagzeile glauben.
Warum ist das RAW-Gelände in Friedrichshain umkämpft?
Weil das RAW heute einer der umkämpftesten Freiräume Berlins ist.
Investoren planen seit Jahren:
- Büroflächen
- Gewerbebauten
- Wohnprojekte
- teilweise Hochhäuser von bis zu 100 Metern
Gleichzeitig kämpfen:
- Künstler
- Clubbetreiber
- Anwohner
- Kulturvereine
- Bürgerinitiativen
- für den Erhalt des Geländes.
Viele sehen im RAW nicht nur eine Partymeile.
Sondern eines der letzten Stücke ungeschliffenes Berlin.
Und ganz ehrlich?
Wenn man hier aufgewachsen ist, versteht man diesen Kampf.
Lohnt sich das RAW-Gelände heute noch?
Ja.
Aber nicht, wenn du nur ein schnelles Instagram-Foto suchst.
Wenn du verstehen willst, warum Berlin so geworden ist, wie Berlin heute ist – dann gehört das RAW definitiv dazu.
Nicht geschniegelt.
Nicht perfekt.
Nicht immer bequem. Aber meistens ehrlich.
Berlin ist keine Sehenswürdigkeit. Berlin ist eine Stadt.
Wir sehen uns im ehrlichen Berlin – oder hier im nächsten Blog.
Haut rein 🖤
VIELE DER BILDER IN DIESEM BEITRAG SIND BEISPIELBILDER UND STAMMEN NICHT VON DEN BESUCHTEN ORTEN.
Häufige Fragen zum RAW-Gelände
Wo liegt das RAW-Gelände in Berlin genau?
Das RAW-Gelände liegt in Berlin-Friedrichshain in der Revaler Straße, direkt an der Warschauer Brücke und nur wenige Schritte vom Bahnhof Warschauer Straße entfernt.
Dadurch gehört das Gelände zu den zentralsten Kultur- und Clubstandorten im Berliner Osten.
Wie kommt man mit U-Bahn, S-Bahn oder Bus zum RAW-Gelände?
Am einfachsten erreichst du das RAW über den Bahnhof Warschauer Straße.
Von dort fahren unter anderem:
- U-Bahn
- S-Bahn
- Tram
- mehrere Nachtbusse
Von der Station brauchst du zu Fuß meist weniger als fünf Minuten.
Ist das RAW-Gelände rund um die Uhr geöffnet?
Die Eingänge zum Gelände sind meistens frei zugänglich.
Die einzelnen Locations wie Clubs, Bars, Flohmärkte oder Kulturhäuser haben jedoch eigene Öffnungszeiten. Viele Clubs oft von 23:00 bis 6:00 Uhr.
Ist das RAW-Gelände für Familien und Kinder geeignet?
Ja – tagsüber definitiv.
Neben Street Art und offenen Flächen gibt es unter anderem:
- Kinderzirkus Zack
- Skatehalle
- Kletterkegel
- Flohmärkte
- Open-Air Veranstaltungen
Nachts verändert sich die Atmosphäre natürlich deutlich.
Welche Clubs sind auf dem RAW-Gelände am bekanntesten?
Zu den bekanntesten Locations gehören:
- Lokschuppen
- Urban Spree
- Cassiopeia
- Astra Kulturhaus
- Urban Spree
Von Techno bis Live-Konzerte ist hier fast alles vertreten.
Wie viel kostet der Eintritt in RAW-Clubs?
Das Gelände selbst kostet keinen Eintritt.
Für Clubs oder Konzerte liegen die Preise meistens – je nach Event – ungefähr zwischen 10 und 30 Euro. Große Live-Konzerte können deutlich darüber liegen.
Warum ist das RAW-Gelände so umstritten?
Das RAW steht seit Jahren im Spannungsfeld zwischen Kultur, Kommerz und Stadtentwicklung.
Während Künstler, Clubs und viele Anwohner das Gelände als kulturellen Freiraum schützen wollen, planen Investoren seit Jahren neue Büroflächen, Gewerbebauten und teilweise Hochhäuser.
Genau deshalb gilt das RAW heute als einer der umkämpftesten Orte in Friedrichshain.
Entdecke auch unsere Blogs zum Thema Berlin Insider Tipps.
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