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Boxhagener Platz Berlin:
Der Boxi in Friedrichshain, Gentrifizierung und Kiez
11. August 2026 - Phil Ernst - Berliner Concierge
Der Boxhagener Platz in Berlin-Friedrichshain ist Wochenmarkt, Flohmarkt, Spielplatz, Grünfläche und einer der bekanntesten Treffpunkte des Viertels.
Rund um den von Berlinern meist nur Boxi genannten Platz liegen zahlreiche Restaurants, Bars, Cafés und kleine Läden – und ein Kiez, der sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert hat.
Was ist der Boxhagener Platz?
Der Boxhagener Platz ist ein öffentlicher Platz im Berliner Ortsteil Friedrichshain zwischen Grünberger Straße, Krossener Straße, Gärtnerstraße und Gabriel-Max-Straße.
Er wurde Anfang des 20. Jahrhunderts angelegt und dient bis heute als Grünfläche, Spielplatz, Marktplatz und Treffpunkt für den umliegenden Kiez.
Warum ist der Boxhagener Platz so bekannt?
Bekannt ist der Boxhagener Platz vor allem für seinen Wochenmarkt am Samstag und den Flohmarkt am Sonntag.
Gleichzeitig liegt der Boxi mitten in einem der lebendigsten Teile Friedrichshains: Rundherum findest du Restaurants, Bars, Cafés und das Nachtleben des Simon-Dach-Kiezes.
Anreise Boxhagener Platz
Der Boxhagener Platz liegt mitten in Friedrichshain und ist am einfachsten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar.
Gute Ausgangspunkte sind der U-Bahnhof Samariterstraße (U5) und der S- und U-Bahnhof Warschauer Straße; von dort läufst du jeweils noch ein Stück durch den Kiez.
Mit dem Auto würde ich eher nicht kommen – Parkplätze rund um den Boxi sind begrenzt und die Öffis deutlich entspannter.
Adresse: Boxhagener Platz 1, 10245 Berlin
Boxhagener Platz: Fakten auf einen Blick
- Ort: Berlin-Friedrichshain
- Spitzname: Boxi
- Angelegt: Anfang des 20. Jahrhunderts
- Wochenmarkt: Samstag 9:00-15:30 Uhr
- Flohmarkt: Sonntag, 10:00–18:00 Uhr
- Bekannt für: Märkte, Grünfläche, Spielplatz und den umliegenden Kiez
- Besonderheit: Der Boxhagener Platz steht als Gartendenkmal unter Schutz
- Straßen: Grünberger Straße, Krossener Straße, Gärtnerstraße und Gabriel-Max-Straße
- Historisches Detail: Auf dem Platz befindet sich ein historisches Berliner „Café Achteck“. (scherzhafte Bezeichnung für bestimmte öffentliche Pissoirs)
So Freunde,
wir Berliner nennen ihn eigentlich nur Boxi.
Und für mich ist das hier ausnahmsweise nicht einfach irgendein Platz, über den ich euch ein paar Berlin-Tipps geben kann:
Zusammen mit dem Frankfurter Tor, der Oberbaumbrücke und der Warschauer Straße war der Boxi einer der Orte meiner Kindheit.
Ich bin hier aufgewachsen und war mit meiner Familie schon in den 90ern und Anfang der 2000er regelmäßig hier.
Spielplatz, Wasserspielplatz, Wochenmarkt, Trödelmarkt, irgendwelche Veranstaltungen – der Boxi gehörte einfach zum Alltag.
Gerade an den Spiel- und Wasserspielplatz habe ich bis heute ziemlich gute Kindheitserinnerungen.
Und genau deshalb wird dieser Blog stellenweise etwas kritischer als andere.
Denn der Boxhagener Platz ist noch da. Der Kiez drumherum auch. Aber vieles von dem Friedrichshain, das ich von früher kenne, ist heute kaum noch wiederzuerkennen.
Warum ist der Boxhagener Platz so beliebt?
Der Boxhagener Platz ist so beliebt, weil hier Markt, Grünfläche, Gastronomie und Berliner Kiezleben auf relativ engem Raum zusammenkommen.
Vor allem am Wochenende wird der Boxi zum Treffpunkt für Anwohner, selten Berliner und Besucher, die anschließend durch Friedrichshain weiterziehen.
Und ich glaube, genau hier liegt der Punkt, den man verstehen muss:
Der Boxi selbst ist gar nicht spektakulär.
Er ist kein Alexanderplatz, kein Tempelhofer Feld und natürlich keine klassische Berliner Sehenswürdigkeit. Im Grunde stehen hier ein paar Bäume, eine große Wiese, Spielplätze und ein historisches Toilettenhäuschen. Trotzdem gehört der Boxhagener Platz zu den bekanntesten Orten Friedrichshains.
Seine Stärke war schon immer das Leben drumherum.
Du holst dir etwas zu essen, sitzt auf der Wiese, gehst über den Markt oder landest später in einer der Bars im Kiez. Kinder spielen wenige Meter entfernt auf dem Spielplatz, während rund um den Platz ständig Menschen kommen und gehen. Genau diese Mischung aus Wohnviertel und Treffpunkt macht den Boxi aus.
Das war übrigens auch früher schon so – nur mit einem ziemlich anderen Publikum.
Ich erinnere mich an deutlich mehr Punks, kleine Läden, Plattenläden und diese ehrlichen Straßenburger, die Friedrichshain damals geprägt haben. Es war nicht unbedingt hübsch oder durchgestylt. Dafür fühlte es sich echt an.
Heute ist der Boxi internationaler, sanierter und wesentlich hipper. Ob er dadurch besser geworden ist, ist eine andere Frage. Dazu kommen wir später noch.
Die meisten erleben Berlin immer gleich.
Sehenswürdigkeiten, lange Wege, viel Googeln.
Und am Ende: viel gesehen, aber wenig verstanden.
Berlin funktioniert anders.
Die Stadt zeigt sich nicht über Hotspots –
sondern über Orte, die man kennen muss.
Ich bin Berliner und arbeite seit Jahren in der Hotellerie
und sehe täglich, wie Besucher die Stadt erleben – und oft falsch einschätzen.
Genau deshalb habe ich über 500 echte Orte in Berlin gesammelt.
Keine Touri-Spots. Keine klassischen Listen.
Sondern Orte, die hier wirklich funktionieren –
direkt in deinem Google Maps, sofort nutzbar.
Was kann man am Boxhagener Platz machen?
Am Boxhagener Platz kannst du samstags den Wochenmarkt und sonntags den Flohmarkt besuchen, auf der Wiese sitzen oder den Platz als Ausgangspunkt für Friedrichshain nutzen.Rund um den Boxi findest du außerdem zahlreiche Restaurants, Cafés, Bars und kleine Geschäfte.
Wenn du zum ersten Mal hier bist, würde ich deshalb nicht den Fehler machen, nur einmal über den Platz zu laufen und danach zu denken: Okay, und das war jetzt der berühmte Boxhagener Platz?
Der Boxi funktioniert nur zusammen mit seinem Kiez.
Lauf durch die Krossener Straße und Grünberger Straße, schau in die Seitenstraßen und geh ruhig weiter Richtung Simon-Dach-Straße. Wenn du danach noch mehr von Friedrichshain sehen willst, kannst du deinen Spaziergang Richtung Warschauer Straße, East Side Gallery oder RAW-Gelände verlängern.
Mit Kindern ist der Boxhagener Platz ebenfalls interessant. Auf der westlichen Seite befindet sich ein Spielplatz und das rund 300 Quadratmeter große Planschbecken mit seinen markanten Tierfiguren. Die Anlage geht in ihren Ursprüngen auf die 1920er-Jahre und Entwürfe des Berliner Gartendirektors Erwin Barth zurück.
Für mich ist genau dieser Teil bis heute einer der Orte, an denen zwei Versionen des Boxi aufeinandertreffen: der Platz, den heute Tausende Besucher aus Reiseführern und Social Media kennen – und der ganz normale Spielplatz, auf dem wir als Kinder einfach unsere Nachmittage verbracht haben.
Wann ist Wochenmarkt am Boxhagener Platz?
Der Wochenmarkt auf dem Boxhagener Platz findet jeden Samstag meist von 9:00-15:30 statt.
Angeboten werden unter anderem Obst und Gemüse, Backwaren, Fleisch und Fisch sowie regionale und internationale Spezialitäten. Den Wochenmarkt gibt es bereits seit 1905.
Und tatsächlich ist der Wochenmarkt einer der Teile des Boxi, die ihre Funktion für den Kiez bis heute behalten haben. Hier geht es eben nicht ausschließlich darum, dass Besucher etwas erleben wollen. Menschen aus der Umgebung kommen her, kaufen Lebensmittel ein und treffen Leute, die sie teilweise seit Jahren kennen.
Bestes Beispiel dafür ist Oma Jutta, unsere Friedrichshain-Außenreporterin. Sie geht bis heute regelmäßig auf den Wochenmarkt und ist dort mittlerweile ein gern gesehener Gast.
Wenn du den Boxhagener Platz also nicht nur als bekannten Ort in Friedrichshain sehen willst, ist Samstag grundsätzlich ein guter Zeitpunkt. Es ist voll und längst nicht mehr der Markt meiner Kindheit – aber vom normalen Kiezleben bekommst du hier meiner Meinung nach noch mehr mit als beim deutlich touristischeren Trödelmarkt am nächsten Tag.
Berlin hat übrigens einige solcher Märkte, die weit mehr als reine Einkaufsorte sind. Wenn dich genau das interessiert, findest du in unserem Blog über die Berliner Markthallen noch einmal eine ganz andere Seite dieser Berliner Marktkultur.
Wann ist Flohmarkt am Boxhagener Platz?
Der Flohmarkt am Boxhagener Platz findet jeden Sonntag von 10:00 bis 18:00 Uhr statt. Der Eintritt ist kostenlos. Rund um die Grünfläche werden unter anderem Bücher, Hausrat, Kunst, Design, Secondhand-Mode, Taschen und Schallplatten angeboten.
Der Trödelmarkt – wie ich ihn eher nennen würde – gehört wahrscheinlich zu den bekanntesten Flohmärkten Berlins. Und gerade deshalb möchte ich ihn etwas ehrlicher einordnen.
Denn ich gebe ihm bis heute immer wieder eine Chance. Wirklich.
Vielleicht liegt es auch daran, dass ich noch den Trödelmarkt von früher im Kopf habe. Schallplatten, gebrauchte Sachen, unterschiedliche Leute und rundherum ein Friedrichshain, das wesentlich roher war.
Heute kommen neben vereinzelnen Berlinern sehr viele Touristen und frisch Zugezogene zum Boxi und bereits 2004 wurde der Markt nach Beschwerden von neuen Anwohnern verkleinert.
In der Folge nahm laut historischen Angaben der Anteil professioneller Händler gegenüber privaten Verkäufern zu.
Das bedeutet nicht, dass du dort nichts mehr finden kannst. Gerade wenn du Vintage, Vinyl, Bücher oder einfach Flohmärkte magst, kannst du problemlos ein oder zwei Stunden stöbern.
Nur solltest du nicht mit der Erwartung hingehen, dort einen völlig unentdeckten Berliner Kiezflohmarkt vorzufinden.
Lohnt sich der Flohmarkt am Boxhagener Platz?
Ja, der Flohmarkt am Boxhagener Platz kann sich für Besucher lohnen – vor allem wegen seiner Größe, der Auswahl und der Lage mitten in Friedrichshain. Wer allerdings einen besonders ursprünglichen Berliner Trödelmarkt sucht, findet aus meiner Sicht authentischere Alternativen.
Und genau da liegt für mich persönlich mittlerweile das Problem.
Der Boxi ist nicht plötzlich schlecht geworden. Er hat sich verändert. Und mit ihm haben sich Publikum, Händler und der gesamte Kiez verändert. Wenn ich sonntags heute über den Platz gehe, habe ich einfach nicht mehr dasselbe Gefühl wie früher.
Deshalb werdet ihr mich auf dem Trödelmarkt inzwischen eher selten treffen.
Ich will euch aber auch nicht irgendeinen angeblichen „Geheimtipp“ nennen, nur damit hier einer steht. In unserem Berlin Upgrade 2026 haben wir die Berliner Märkte und viele weitere Orte vorsortiert, die wir heute eher empfehlen würden.
Wenn du sowieso am Sonntag in Friedrichshain unterwegs bist, spricht trotzdem wenig dagegen, einmal über den Boxi zu laufen. Danach würde ich allerdings nicht direkt wieder zur nächsten Sehenswürdigkeit fahren. Gerade die Straßen rundherum gehören zum eigentlichen Erlebnis.
Welche Restaurants rund um den Boxhagener Platz lohnen sich?
Rund um den Boxhagener Platz gibt es eine große Auswahl an Restaurants und Imbissen – von vietnamesischer und veganer Küche über Kumpir bis zu Burgern. Besonders in der Krossener Straße, Gabriel-Max-Straße und den angrenzenden Straßen liegen viele gastronomische Adressen direkt am Boxi.
Direkt in der Krossener Straße liegt beispielsweise 1990 Vegan Living mit vegan-vietnamesischen Gerichten und kleinen Bowls zum Teilen. Ein paar Häuser weiter bekommst du bei Patta Kumpir, also große gefüllte Ofenkartoffeln.
Ebenfalls rund um den Platz liegen Burgeramt und Neumanns. Letzteres ist vor allem für Frühstück und ziemlich aufwendig belegte Stullen bekannt. Für Kaffee, Frühstück und Sandwiches wird in der Gabriel-Max-Straße außerdem Silo genannt.
Generell würde ich euch am Boxi aber empfehlen: Lauft ein bisschen.
Die Gastro hört nicht an den vier Seiten des Platzes auf. Gerade Krossener Straße, Grünberger Straße und die kleineren Straßen dahinter gehören dazu. Und wenn vor einem Laden hauptsächlich Menschen mit Handys Schlange stehen, nur weil irgendein Reel gerade viral gegangen ist, dürft ihr in Berlin auch einfach noch 100 Meter weiterlaufen.
Meistens verhungert man dabei nicht.
Welche Bars gibt es rund um den Boxhagener Platz?
Der Boxhagener Platz liegt mitten in einem der bekanntesten Ausgehviertel Friedrichshains. Rund um den Boxi findest du klassische Kneipen, Cocktailbars, Spätis und Bars mit Tanzfläche – besonders Richtung Boxhagener Straße, Wühlischstraße und Simon-Dach-Kiez.
Hier habe ich in meiner Jugend viele Nächte verbracht
Eine der bekannteren Adressen ist das Booze in der Boxhagener Straße, das stärker auf Cocktails und hochwertige Spirituosen setzt. Alternativ wäre eine persönliche Berliner Empfehlung die Sohnemann oder Goldfisch Bar.
Wer es weniger schick und eher nach klassischer Friedrichshainer Kneipe mag, findet mit dem Hase in der Gabriel-Max-Straße eine kleine Bar mit Bier, Kicker, Fußball und Metal. Alternativ bieten sich Dachkammer und Krass böser Wolf an.
Etwas weiter entfernt liegt Süß war gestern in der Wühlischstraße, wo Bar und Tanzfläche ineinander übergehen. Und wer anschließend noch Richtung Warschauer Straße zieht, landet irgendwann beim RAW-Gelände und damit ohnehin mitten im Friedrichshainer Nachtleben.
Bei aller Kritik am heutigen Boxi muss ich an der Stelle nämlich auch fair bleiben:
Ich bin selbst noch regelmäßig in Bars und Spätis rund um den Platz.
Ich sitze also nicht irgendwo und erzähle euch, dass seit 2010 alles in Friedrichshain scheiße ist.
Es gibt weiterhin gute Läden, gute Abende und Ecken, die ich mag. Nur das Gesamtgefühl hat sich verändert. Und um zu verstehen, warum ich heute zwar noch am Boxi trinken gehe, dort aber nicht mehr unbedingt wohnen möchte, müssen wir ein bisschen zurückgehen.
Denn die Veränderung dieses Platzes erzählt ziemlich viel über die Veränderung von Friedrichshain insgesamt.
Wie ist der Boxhagener Platz entstanden?
Der Boxhagener Platz entstand Anfang des 20. Jahrhunderts und erhielt seinen heutigen Namen bereits 1900. Zuvor wurde die Fläche als „Platz D“ bezeichnet; der Name Boxhagener Platz geht auf das frühere Vorwerk Boxhagen zurück. Die Anlage des Platzes wurde 1903 fertiggestellt.
Der Boxi entstand in einer Zeit, in der sich das Gebiet durch die wachsende Industrie zu einem dicht bebauten Arbeiterviertel entwickelte. Der Platz war also nie als repräsentativer Berliner Prachtplatz gedacht. Er lag mitten in einem Wohngebiet und wurde zu einem Ort für die Menschen, die drumherum lebten.
Dazu passt, dass bereits seit 1905 der Wochenmarkt stattfindet. Auch der Spielplatz und das rund 300 Quadratmeter große Planschbecken gehören seit etwa 1925 zum Platz. Letzteres wurde nach Plänen des Gartendirektors Erwin Barth gestaltet.
Eine weitere kleine Berliner Besonderheit steht bis heute auf dem Boxi: das sogenannte Café Achteck. Hinter dem charmanten Namen verbirgt sich eine historische öffentliche Bedürfnisanstalt aus Gusseisen. Das Toilettenhäuschen brannte 1992 aus, wurde später rekonstruiert und im Jahr 2000 wieder in Betrieb genommen.
Schon daran merkt man: Der Boxhagener Platz war immer eher Gebrauchs-Berlin als Postkarten-Berlin.
Warum hat sich der Boxhagener Platz so verändert?
Der Boxhagener Platz hat sich vor allem zusammen mit seinem umliegenden Friedrichshainer Kiez verändert. Nach der Wende prägten Hausbesetzungen und alternative Strukturen die Gegend, später folgten Sanierungen, neue Bewohner und ein fortschreitender Gentrifizierungsprozess.
Heute treffen am Boxi deshalb sehr unterschiedliche Vorstellungen davon aufeinander, wie Friedrichshain aussehen und funktionieren soll.
Und jetzt kommen wir zu dem Teil, bei dem ich wahrscheinlich emotionaler bin als bei irgendeinem anderen Abschnitt dieses Blogs.
Ihr kennt mich. Ich gehöre tatsächlich zu den Berlinern, die bei Gentrifizierung nicht automatisch jede Veränderung scheiße finden. Dass Häuser saniert werden, öffentliche Räume gepflegt werden oder sich ein Viertel weiterentwickelt, kann auch Vorteile haben.
Aber ich will es beim Boxi trotzdem in aller Deutlichkeit sagen: Das ist nicht mehr mein Boxhagener Platz.
Nach der Wende war die Gegend rund um den Boxi stark von Hausbesetzungen geprägt. Ein bekanntes Kapitel dieser Zeit war die Räumung der Mainzer Straße 1990. Direkt gegenüber vom Boxhagener Platz existiert mit dem legalisierten Hausprojekt in der Grünberger Straße 73 bis heute ein Relikt dieser Zeit.
Das Friedrichshain meiner Kindheit war voll mit Punks, Plattenläden, kleinen Geschäften und ziemlich unterschiedlichen Leuten.
Nicht alles daran war romantisch und ganz sicher war nicht alles besser. Aber es war roh, direkt und hatte diese Berliner Schnauze, die man heute gerne für irgendein Marketingkonzept nachzubauen versucht.
Heute würde ich vieles rund um den Boxi eher als aufgesetzt-hipp und gesehen und gesehen werden beschreiben.
Das ist natürlich meine persönliche Wahrnehmung. Aber die Veränderung des Viertels selbst lässt sich durchaus nachvollziehen.
Vom Arbeiterviertel zum Szenekiez
Der Kiez rund um den Boxhagener Platz entwickelte sich vom früheren Arbeiterquartier über einen stark von der Nachwendezeit geprägten Teil Friedrichshains zu einem der bekanntesten Wohn- und Ausgehviertel Berlins.
Besonders seit den 1990er- und 2000er-Jahren wurden viele Häuser saniert und Gewerberäume neu vermietet.
Von 1999 bis 2005 war das Gebiet rund um den Boxhagener Platz sogar ein eigenes Quartiersmanagementgebiet. Anlass waren unter anderem soziale und demografische Entwicklungen wie der verstärkte Fortzug von Familien mit Kindern und Erwerbstätigen. Gleichzeitig gehörte das Quartier mit damals rund 18.500 Bewohnern auf 75 Hektar zu den dicht besiedelten Gebieten der Stadt.
Interessant ist dabei ein Detail, das beim Blick auf den heutigen Boxi schnell untergeht: Schon früher gab es hier viele kleine Ein- und Zwei-Zimmer-Wohnungen.
Dadurch war die Fluktuation unter den Bewohnern ohnehin vergleichsweise hoch. Der Kiez war also nie dieses vollkommen unveränderliche Friedrichshainer Dorf, als das man ihn rückblickend verklären könnte.
Trotzdem hat sich die Zusammensetzung sichtbar verändert. Und damit eben auch das Gewerbe, das Publikum und die Atmosphäre auf der Straße.
Mein Traum als Kind und Jugendlicher war tatsächlich, irgendwann wieder direkt an den Boxhagener Platz zu ziehen. Heute kann ich mir das nicht mehr vorstellen.
Das sagt wahrscheinlich mehr über die Veränderung des Boxi aus als jede Statistik.
Vielleicht ist genau das sogar das Interessanteste am Boxhagener Platz: Du kannst an einem einzigen Ort ziemlich gut beobachten, wie Berlin sich verändert.
Wann lohnt sich ein Besuch am Boxhagener Platz?
Samstags lohnt sich der Boxhagener Platz besonders für den Wochenmarkt, sonntags für den bekannten Flohmarkt. Wenn du eher den Platz und den umliegenden Kiez erleben möchtest, würde ich unter der Woche oder an einem warmen Abend vorbeikommen.
Welche Zeit besser ist, hängt also davon ab, was du suchst.
Willst du den bekannten Boxi mit viel Betrieb erleben, komm am Wochenende. Möchtest du Friedrichshain etwas entspannter kennenlernen, lauf lieber an einem normalen Wochentag durch die Gegend, hol dir irgendwo etwas zu essen und lass dich durch die Seitenstraßen treiben.
Im Sommer kannst du einen Besuch außerdem gut mit dem Volkspark Friedrichshain verbinden. Wenn du dagegen Richtung Spree weiterziehst, landest du über Warschauer Straße und Oberbaumbrücke schnell in einem komplett anderen Teil des Bezirks.
Ich würde deshalb auch keinen halben Berlin-Tag ausschließlich für den Boxhagener Platz reservieren.
Dafür gibt der Platz selbst schlicht nicht genug her.
Als Ausgangspunkt für ein paar Stunden Friedrichshain funktioniert er dagegen ziemlich gut.
Lohnt sich der Boxhagener Platz?
Ja, ein Besuch am Boxhagener Platz lohnt sich, wenn du Friedrichshain kennenlernen, über einen der Märkte laufen oder anschließend durch den umliegenden Kiez ziehen möchtest.
Als einzelne Berliner Sehenswürdigkeit würde ich für den Boxi allerdings keinen großen Umweg machen.
Und vielleicht ist das die fairste Antwort, die ich euch geben kann.
Ich persönlich vermisse den alten Boxi. Ich vermisse dieses etwas dreckigere, unangepasstere Friedrichshain mit seinen Punks, Plattenläden, Straßenburgern und der Berliner Schnauze.
Und wenn ihr mich sonntags sucht, werdet ihr mich wahrscheinlich eher nicht auf dem Flohmarkt finden.
Trotzdem bin ich noch regelmäßig rund um den Boxi unterwegs, sitze in Bars oder hole mir beim Späti ein Bier.
Der Platz gehört also weiterhin zu meinem Berlin. Nur eben anders als früher.
Und wenn ihr zum ersten Mal nach Friedrichshain kommt, schaut ihn euch ruhig an. Geht aber nicht nur zum Boxi, macht ein Foto und fahrt wieder weg. Lauft durch die Straßen drumherum, schaut euch die Veränderungen an und bildet euch eure eigene Meinung.
Denn vielleicht ist der Boxhagener Platz heute gerade deshalb interessant, weil er nicht mehr das Friedrichshain ist, das er einmal war.
Wenn dich mehr solcher Orte interessieren, lies gerne unsere Blogs über das Monbijou-Theater oder den Holzmarkt 25.
Berlin ist keine Sehenswürdigkeit. Berlin ist eine Stadt.
Wir sehen uns im ehrlichen Berlin – oder hier im nächsten Blog.
Haut rein 🖤
VIELE DER BILDER IN DIESEM BEITRAG SIND BEISPIELBILDER UND STAMMEN NICHT VON DEN BESUCHTEN ORTEN.
Häufige Fragen zum Boxhagener Platz
Was ist der Boxhagener Platz?
Der Boxhagener Platz ist ein öffentlicher Platz im Berliner Ortsteil Friedrichshain und wird von Berlinern meist einfach „Boxi“ genannt. Er dient als Grünfläche, Spielplatz, Marktplatz und Treffpunkt und ist besonders für seinen Wochenmarkt und den sonntäglichen Flohmarkt bekannt.
Warum ist der Boxhagener Platz so bekannt?
Der Boxhagener Platz ist vor allem wegen seines Wochenmarkts am Samstag, des Flohmarkts am Sonntag und seiner Lage mitten im lebendigen Friedrichshainer Kiez bekannt. Rund um den Boxi befinden sich außerdem zahlreiche Restaurants, Cafés, Bars und kleine Geschäfte.
Warum heißt der Boxhagener Platz „Boxi“?
„Boxi“ ist die in Berlin verbreitete Kurzform für den Boxhagener Platz. Der eigentliche Name Boxhagener Platz geht auf das frühere Vorwerk Boxhagen zurück, nach dem der Platz im Jahr 1900 benannt wurde.
Wann ist Flohmarkt am Boxhagener Platz?
Der Flohmarkt am Boxhagener Platz findet jeden Sonntag von 10:00-18:00 statt. Rund um die Grünfläche werden unter anderem Secondhand-Mode, Bücher, Schallplatten, Kunst, Design, Hausrat und andere gebrauchte Gegenstände angeboten.
Wie sind die Öffnungszeiten des Flohmarkts am Boxhagener Platz?
Der Flohmarkt am Boxhagener Platz ist sonntags von 10:00 bis 18:00 Uhr geöffnet. Der Eintritt zum Flohmarkt ist kostenlos.
Lohnt sich der Flohmarkt am Boxhagener Platz?
Der Flohmarkt am Boxhagener Platz lohnt sich besonders, wenn du Vintage, Vinyl, Bücher und Secondhand magst und deinen Besuch mit Friedrichshain verbinden möchtest. Wenn du einen besonders ursprünglichen Berliner Trödelmarkt suchst, gibt es aus unserer Sicht allerdings authentischere Alternativen.
Wann ist Wochenmarkt am Boxhagener Platz?
Der Wochenmarkt am Boxhagener Platz findet jeden Samstag von 9:00 - 15:30 statt und gehört bereits seit 1905 zum Kiez. Angeboten werden unter anderem Obst und Gemüse, Backwaren, Fleisch, Fisch sowie regionale und internationale Spezialitäten.
Was kann man am Boxhagener Platz machen?
Am Boxhagener Platz kannst du den Wochenmarkt oder Flohmarkt besuchen, auf der Wiese sitzen, mit Kindern den Spielplatz nutzen oder von hier aus Friedrichshain erkunden. Rund um den Boxi findest du außerdem zahlreiche Restaurants, Cafés, Bars, Spätis und kleine Geschäfte.
Welche Restaurants gibt es am Boxhagener Platz?
Rund um den Boxhagener Platz gibt es zahlreiche Restaurants und Imbisse mit internationaler Küche. Zu den bekannten Adressen in unmittelbarer Umgebung gehören unter anderem 1990 Vegan Living, Patta, Burgeramt und Neumanns.
Welche Bars gibt es rund um den Boxhagener Platz?
Rund um den Boxhagener Platz findest du klassische Berliner Kneipen, Cocktailbars, Spätis und Bars mit Tanzfläche. Bekannte Adressen in der Umgebung sind beispielsweise Booze, Hase und Süß war gestern; weitere Ausgehmöglichkeiten findest du Richtung Simon-Dach-Straße, Wühlischstraße und RAW-Gelände.
Ist der Boxhagener Platz für Kinder geeignet?
Ja, der Boxhagener Platz ist auch für Familien mit Kindern geeignet. Auf dem Platz befinden sich ein großer Spielplatz sowie ein rund 300 Quadratmeter großes Planschbecken, dessen Ursprünge bis in die 1920er-Jahre zurückreichen.
Lohnt sich der Boxhagener Platz?
Ja, der Boxhagener Platz lohnt sich besonders, wenn du Friedrichshain kennenlernen, einen der Märkte besuchen oder anschließend durch den umliegenden Kiez ziehen möchtest. Als einzelne Sehenswürdigkeit ist der Boxi eher unspektakulär – interessant wird er vor allem durch das Leben und die Straßen rundherum.
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