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Straßenbahn Berlin:
Warum sie bis heute vor allem im Osten fährt
21. August 2026 - Phil Ernst - Berliner Concierge
Wer in Berlin regelmäßig mit der Straßenbahn unterwegs ist, bewegt sich nicht nur durch die Stadt, sondern auch durch ihre Geschichte. Denn das heutige Straßenbahnnetz zeigt noch immer ziemlich deutlich, wo Berlin einmal geteilt war.
Während Trams in Prenzlauer Berg, Friedrichshain oder rund um den Alexanderplatz zum Alltag gehören, sucht man sie in großen Teilen des ehemaligen West-Berlins bis heute vergeblich.
Dabei begann die Geschichte der Straßenbahn in Berlin ausgerechnet Richtung Charlottenburg. Von der ersten Pferdebahn über eines der größten Straßenbahnnetze der Welt bis zur Teilung in Ost und West hat die Tram fast jede große Veränderung Berlins mitgemacht.
Und einige davon kann man noch heute sehen – wenn man weiß, worauf man achten muss.
Warum fährt die Straßenbahn in Berlin hauptsächlich im Osten?
Die Straßenbahn fährt heute hauptsächlich im ehemaligen Ost-Berlin, weil West-Berlin sein Netz ab den 1950er-Jahren schrittweise stilllegte. 1967 fuhr dort die letzte Tram. Ost-Berlin behielt dagegen große Teile seines Netzes und baute es später für neue Wohngebiete wie Marzahn, Hohenschönhausen und Hellersdorf weiter aus.
Nach der Wiedervereinigung wurden einzelne Strecken wieder Richtung Westen verlängert. Trotzdem lässt sich die frühere Teilung Berlins bis heute am Straßenbahnnetz erkennen.
Das Berlin, das Berliner empfehlen.
Seit wann gibt es Straßenbahnen in Berlin?
Die Geschichte der Berliner Straßenbahn begann am 22. Juni 1865. Damals nahm Deutschlands erste Pferdestraßenbahn ihren Betrieb auf. Die Strecke führte vom Brandenburger Tor nach Charlottenburg – gezogen wurde die Bahn noch von Pferden.
1881 nahm in Groß-Lichterfelde die erste elektrische Straßenbahn der Welt ihren Betrieb auf. Entwickelt wurde sie von Werner Siemens.
Im damaligen Berliner Stadtgebiet folgte 1895 die erste regelmäßig elektrisch betriebene Linie. Die neue Technik setzte sich schnell durch: Bis 1902 waren die Pferdebahnen weitgehend verschwunden und Berlin fuhr mit der „Elektrischen“.
Straßenbahn Berlin auf einen Blick
- 1865: Deutschlands erste Pferdestraßenbahn fährt vom Brandenburger Tor nach Charlottenburg.
- 1881: In Groß-Lichterfelde nimmt die erste elektrische Straßenbahn der Welt nach Präsentation von Werner Siemens ihren Betrieb auf.
- 1895: Im damaligen Berliner Stadtgebiet startet die erste regelmäßig elektrisch betriebene Linie.
- 1929: Die BVG betreibt 89 Straßenbahnlinien auf rund 634 Kilometern.
- 1949: Das Verkehrsunternehmen wird in BVG-West und BVG-Ost geteilt.
- 1953: Der durchgehende Straßenbahnverkehr zwischen Ost und West endet.
- 1967: Die letzte Straßenbahn West-Berlins fährt.
- 1992: BVG-Ost und BVG-West werden wieder vereinigt.
- Heute: Das Straßenbahnnetz liegt weiterhin überwiegend im ehemaligen Osten Berlins.
Eine Berliner Fehlerquelle auf Schienen
So Freunde,
warum haben viele Berliner früher durchaus überlegt, in welchem Teil der Stadt sie ihre Fahrschule machen? Genau: weil man im Westen eine ziemlich typische Berliner Fehlerquelle vermeiden konnte – die Straßenbahn.
Ich fand es später immer wieder krass, wenn ich Zugezogene kennengelernt habe, die ihren Führerschein irgendwo in einem 5.000-Einwohner-Dorf gemacht hatten und anschließend plötzlich durch Berlin fahren mussten. Aber auch unter Berlinern kam immer wieder die Frage auf: Hast du deinen Führerschein im Osten oder Westen gemacht?
Straßenbahnschienen, Haltestellen und vor allem abbiegende Trams sind eben noch einmal eine ganz eigene Fehlerquelle.
Für mich war das alles völlig normal. Ich bin im ehemaligen Osten Berlins aufgewachsen, zwischen Frankfurter Tor und East Side Gallery, und war schon als Kind ständig mit der M10 unterwegs.
Ich glaube, bis zu meinem 18. Geburtstag hatte ich nicht einmal wirklich darüber nachgedacht, dass die Tram fast nur im Osten fährt.
Aber warum ist das eigentlich so gekommen?
Am Anfang fuhr die Straßenbahn ausgerechnet Richtung Westen
Die erste Berliner Pferdestraßenbahn verband ab 1865 das Brandenburger Tor mit Charlottenburg. Dass die Tram heute vor allem mit dem Berliner Osten verbunden wird, war damals also überhaupt nicht abzusehen. In den folgenden Jahrzehnten breitete sich das Netz in alle Richtungen aus.
Mit der Elektrifizierung wurde aus der Pferdebahn ein Verkehrsmittel für die schnell wachsende Großstadt. Um 1900 entstanden immer neue Strecken und Verbindungen. Nach der Bildung von Groß-Berlin wurden die verschiedenen Betriebe schließlich zusammengeführt.
1929 entstand die BVG – und die Dimensionen waren gewaltig: 89 Straßenbahnlinien, rund 634 Kilometer Streckenlänge und etwa 4.000 Fahrzeuge gehörten damals zum Netz. Im selben Jahr wurden rund 929 Millionen Fahrgäste mit der Straßenbahn befördert.
Ich musste die Zahl gerade selber noch einmal prüfen, weil es mir doch ein wenig zu hoch vorkam aber tatsächlich:
Umgerechnet sind das etwa 2,55 Millionen Straßenbahnfahrten pro Tag. Berlin hatte damals rund 4,3 Millionen Einwohner. Im Durchschnitt entspricht das also ungefähr 0,6 Straßenbahnfahrten pro Einwohner und Tag.
Die Tram war damals nicht irgendein Berliner Verkehrsmittel. Sie war eines der Rückgrate der Stadt.
Die meisten erleben Berlin immer gleich.
Sehenswürdigkeiten, lange Wege, viel Googeln.
Und am Ende: viel gesehen, aber wenig verstanden.
Berlin funktioniert anders.
Die Stadt zeigt sich nicht über Hotspots –
sondern über Orte, die man kennen muss.
Ich bin Berliner und arbeite seit Jahren in der Hotellerie
und sehe täglich, wie Besucher die Stadt erleben – und oft falsch einschätzen.
Genau deshalb habe ich über 500 echte Orte in Berlin gesammelt.
Keine Touri-Spots. Keine klassischen Listen.
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Krieg, zerstörte Gleise – und ein erstaunlich schneller Neustart
Der Zweite Weltkrieg traf auch die Berliner Straßenbahn schwer. Zerstörte Straßen, beschädigte Oberleitungen und unpassierbare Strecken legten immer größere Teile des Netzes lahm. Am 23. April 1945 kam der Straßenbahnverkehr vollständig zum Erliegen.
Bemerkenswert ist, wie schnell danach wieder etwas fuhr. Bereits am 20. Mai 1945 nahmen die ersten Linien ihren Betrieb wieder auf. Ende des Jahres waren schon rund 328 Kilometer Strecke befahrbar.
Doch während Gleise und Fahrzeuge repariert wurden, entstand ein Problem, das sich nicht so einfach beheben ließ: Berlin wurde politisch geteilt.
1949 folgte die Trennung in BVG-West und BVG-Ost. Einige Straßenbahnen fuhren zunächst trotzdem noch über die Sektorengrenzen. Das änderte sich wenige Jahre später – und führte zu einer Situation, die heute ziemlich absurd klingt.
Wie wurde die Berliner Straßenbahn durch die Teilung getrennt?
1953 wurde der durchgehende Straßenbahnverkehr zwischen Ost- und West-Berlin unterbrochen. Die Linien endeten nun an der Sektorengrenze. Wer weiterfahren wollte, musste aussteigen, die Grenze zu Fuß überqueren und auf der anderen Seite wieder in eine Straßenbahn mit derselben Liniennummer einsteigen.
Nach dem Bau der Berliner Mauer 1961 war auch damit Schluss.
Für die Zukunft der Straßenbahn war jedoch eine andere Entwicklung entscheidend: Ost und West hatten inzwischen völlig unterschiedliche Vorstellungen davon, wie moderner Stadtverkehr aussehen sollte.
Und genau diese Entscheidungen erklären, warum ihr heute in Friedrichshain ständig eine Tram vor euch habt – und in großen Teilen Charlottenburgs keine einzige.
Warum wurde die Straßenbahn in West-Berlin abgeschafft?
West-Berlin entschied sich in den 1950er-Jahren zunehmend gegen die Straßenbahn. Ab 1954 sollten neue Busse und der Ausbau der U-Bahn die Tram schrittweise ersetzen. Gleichzeitig orientierte sich die Verkehrsplanung stärker an der autogerechten Stadt.
Die Straßenbahn galt als überholt und als Hindernis für den zunehmenden Autoverkehr. Strecken verschwanden deshalb nach und nach aus dem westlichen Stadtgebiet.
Am 2. Oktober 1967 war endgültig Schluss. Die Linie 55 fuhr zum letzten Mal zwischen Zoo und Hakenfelde. Damit hatte West-Berlin sein Straßenbahnnetz vollständig aufgegeben.
Und damit wird auch die Antwort auf meine frühere Frage klar: Die Tram fährt heute nicht hauptsächlich im Osten, weil Berlin sie ursprünglich dort gebaut hätte. Sie fährt dort, weil der Westen seine Strecken abgeschafft hat.
Warum blieb die Straßenbahn in Ost-Berlin erhalten?
Ganz so einfach wie „Westen gegen Tram, Osten für Tram“ war die Geschichte allerdings nicht.
Auch Ost-Berlin entfernte ab den 1950er-Jahren Straßenbahnen aus wichtigen Straßen. Die Verkehrsplanung orientierte sich teilweise am sowjetischen Vorbild:
Große Magistralen sollten möglichst frei von Straßenbahngleisen sein. 1967 verschwanden die Straßenbahnen beispielsweise vom Alexanderplatz.
Anders als im Westen wurde das Netz jedoch nie vollständig aufgegeben. Als ab Ende der 1970er-Jahre neue Großwohnsiedlungen entstanden, brauchte Ost-Berlin leistungsfähige Verbindungen für Zehntausende Bewohner. Neue Strecken führten deshalb nach Marzahn, später nach Hohenschönhausen und Hellersdorf.
Während die Straßenbahn im Westen bereits Geschichte war, wurde sie im Osten wieder ausgebaut.
Wenn ich heute am Frankfurter Tor stehe oder mit der Tram durch Friedrichshain Richtung Volkspark Friedrichshain fahre, sehe ich das natürlich nicht bewusst. Aber genau diese unterschiedlichen Entscheidungen haben den Berliner Alltag geprägt, mit dem ich aufgewachsen bin.
Nach der Wiedervereinigung fährt die Tram wieder Richtung Westen
Mit dem Mauerfall verschwand die Grenze – das über Jahrzehnte unterschiedlich entwickelte Verkehrsnetz ließ sich dagegen nicht einfach wieder zusammenbauen.
1992 wurden BVG-Ost und BVG-West wieder zu einem Unternehmen. 1995 wurde erstmals eine Straßenbahnstrecke über die frühere Grenze bis zur Osloer Straße verlängert. 1998 kehrte die Tram außerdem an den Alexanderplatz zurück. Später folgten unter anderem Verbindungen zum Hauptbahnhof und 2023 die Verlängerung der M10 bis zur Turmstraße.
Trotz dieser Erweiterungen liegt der größte Teil des Netzes weiterhin im ehemaligen Ost-Berlin.
Fast 60 Jahre nach der letzten West-Berliner Straßenbahn reicht deshalb ein Blick auf den heutigen Netzplan, um eine Folge der Teilung zu erkennen. Nicht wegen einer alten Grenze auf der Karte – sondern weil auf einer Seite der Stadt deutlich mehr Straßenbahnschienen liegen.
Die Berliner Straßenbahn heute
Von der Pferdebahn ist heute natürlich nicht mehr viel übrig. Das Berliner Straßenbahnnetz umfasst rund 200 Kilometer Strecke und ist damit laut BVG das drittgrößte Straßenbahnnetz der Welt.
Auf insgesamt 22 Linien kommen die Trams auf eine Linienlänge von rund 320 Kilometern. Zum Fuhrpark gehören rund 381 Straßenbahnfahrzeuge, die jährlich etwa 200 Millionen Fahrgastfahrten bewältigen.
Und auch die Fahrzeuge entwickeln sich weiter. Seit Juli 2026 ist mit dem Urbanliner die neueste Berliner Straßenbahngeneration im regulären Fahrgastbetrieb. Die 50 Meter langen Bahnen bieten Platz für mehr als 300 Menschen und fahren zunächst auf der besonders stark genutzten M4. Bis 2030 sollen nach aktueller Planung insgesamt 65 Urbanliner ausgeliefert werden.
Damit verbindet die Berliner Straßenbahn heute ziemlich unterschiedliche Welten: ein Netz, dessen Struktur noch immer von der Teilung geprägt ist – und gleichzeitig eines der größten Straßenbahnsysteme der Welt.
Die M4 gehört heute zu meinem Berliner Alltag
Bei mir ist die Straßenbahn jedenfalls nie verschwunden. Früher war es vor allem die M10 und M6, heute begleitet mich die M4 nahezu täglich zwischen Prenzlauer Berg und der Stadtmitte. Seit August 2026 begegnen mir auf meiner Stammstrecke auch immer häufiger die neuen Urbanliner.
Und die Strecke zeigt ziemlich gut, warum ich die Tram bis heute mag.
Direkt an der Weltzeituhr und am Fernsehturm fährt sie mitten durch den Alexanderplatz. Von dort geht es weiter Richtung Museumsinsel oder zum Hackeschen Markt und den Hackeschen Höfen.
Für Besucher sind das einige der bekanntesten Orte Berlins. Für mich sind es vor allem Orte, an denen ich im Alltag ständig vorbeifahre.
Vielleicht liegt genau darin der Reiz der Straßenbahn:
Man verschwindet nicht unter der Erde. Berlin läuft während der Fahrt einfach am Fenster vorbei.
Warum die Straßenbahn mein Lieblingsverkehrsmittel in Berlin ist
Wenn ich gefragt werde, welches Berliner Verkehrsmittel ich am liebsten nutze, muss ich nicht lange überlegen: die Straßenbahn.
Früher hatte das zugegebenermaßen noch einen anderen Grund. Gefühlt wurde in der Tram einfach extrem selten kontrolliert und wir sind dauerhaft durch Friedrichshain zum vorglühen Richtung Warschauer gefahren.
Heute ist mir etwas anderes wichtiger: Für mich ist sie das entspannteste und am wenigsten hektische Verkehrsmittel der Stadt. Keine langen Wege hinunter zum Bahnsteig, kein ständiges Verschwinden im Tunnel – einsteigen und weiter.
Natürlich gilt das nicht immer. Wer zur Stoßzeit in einer völlig überfüllten M4 steht, wird meine Begeisterung wahrscheinlich nicht sofort teilen.
Trotzdem gehört die Tram für mich zu Berlin wie U-Bahn und S-Bahn. Vielleicht sogar noch etwas mehr. Ich bin mit der M10 aufgewachsen, fahre heute fast täglich M4 – und habe erst ziemlich spät verstanden, dass genau diese Selbstverständlichkeit viel damit zu tun hat, wo in Berlin ich aufgewachsen bin.
Drei Geschichten der Berliner Straßenbahn, die kaum jemand kennt
Neben Teilung und Wiedervereinigung hat die Berliner Straßenbahn noch einige Geschichten erlebt, die zeigen, wie eng sie mit dem Alltag der Stadt verbunden war.
1902 gab es beispielsweise auf bestimmten Außenstrecken einen Fünf-Pfennig-Tarif für kurze Fahrten. Dafür bekam man eine weiße Fahrkarte, während die reguläre Zehn-Pfennig-Fahrkarte rot war.
Während des Ersten Weltkriegs übernahmen immer mehr Frauen die Arbeit der eingezogenen Männer. 1916 beschäftigte die Große Berliner Straßenbahn bereits mehr als 5.000 Frauen – zunächst vor allem als Schaffnerinnen, später teilweise auch als Fahrerinnen.
Und während der Hyperinflation 1923 stiegen die Fahrpreise innerhalb weniger Monate von Markbeträgen auf Millionen. Am 8. September wurde der Straßenbahnverkehr sogar komplett eingestellt. Allerdings nur für einen Tag: Schon am nächsten Morgen fuhren wieder erste Linien.
Berlin Insider-Tipp: Mit der Straßenbahn 87 raus nach Woltersdorf
Wer Straßenbahnen nicht nur als Verkehrsmittel interessant findet, kann ganz im Osten Berlins noch eine ziemlich ungewöhnliche Strecke entdecken. Die Linie 87 der Woltersdorfer Straßenbahn startet am S-Bahnhof Rahnsdorf und fährt auf nur 5,6 Kilometern bis zur Woltersdorfer Schleuse in Brandenburg. Die Verbindung existiert bereits seit 1913.
Schon die Strecke fühlt sich völlig anders an als eine Fahrt mit M4 oder M10 durch die Berliner Innenstadt. Vom Stadtrand geht es hinaus Richtung Woltersdorf, teilweise durch Wald und ruhige Siedlungen, bis zur Schleuse. Über Jahrzehnte waren hier mehr als 60 Jahre alte Gothawagen im regulären Einsatz – genau diese nostalgischen Bahnen machten die Linie weit über Woltersdorf hinaus bekannt.
Seit 2025 fahren im regulären Betrieb moderne Niederflurbahnen. Einige historische Fahrzeuge sind aber erhalten geblieben und kommen weiterhin bei besonderen Fahrten zum Einsatz. Wer also gezielt wegen der alten Straßenbahnen kommt, sollte vorher prüfen, ob an diesem Tag historische Wagen unterwegs sind.
Für mich ein ziemlich guter Berlin-Insider-Tipp: S-Bahn bis Rahnsdorf, in die 87 steigen und einfach mal schauen, wie schnell sich Berlin plötzlich nicht mehr nach Berlin anfühlt.
Was von der Teilung bis heute übrig geblieben ist
Berlin ist seit Jahrzehnten wieder eine Stadt. Trotzdem gibt es Dinge, an denen man die frühere Grenze noch erkennen kann, ohne vor einem Stück Berliner Mauer zu stehen.
Die Tram war für mich nie etwas typisch Ost-Berlinerisches. Sie war einfach Berlin.
Erst später habe ich verstanden, dass jemand, der in Charlottenburg oder Spandau aufgewachsen ist, mit der Straßenbahn einen völlig anderen Berliner Alltag erlebt haben kann als ich zwischen Frankfurter Tor, Oberbaumbrücke, M10 und Alexanderplatz.
Heute wachsen einzelne Strecken wieder Richtung Westen. Die alte Grenze ist längst verschwunden. Aber wenn ihr vom Osten weit genug durch Berlin fahrt und irgendwann feststellt, dass neben euch plötzlich keine Straßenbahnschienen mehr liegen, wisst ihr zumindest:
Das ist kein Zufall. Das ist Berlin-Geschichte.
Unser Fazit zur Berliner Straßenbahn
Wenn ich heute in eine M4 steige, denke ich natürlich nicht jedes Mal an Pferdebahnen von 1865 oder die letzte West-Berliner Tram von 1967.
Aber genau solche Geschichten verändern für mich den Blick auf Berlin.
Die Straßenbahn zeigt ziemlich gut, dass Stadtgeschichte nicht nur in Museen stattfindet. Entscheidungen, die vor Jahrzehnten getroffen wurden, bestimmen teilweise noch heute, wie wir uns durch Berlin bewegen.
Und wenn mich jemand trotzdem einfach nur nach meinem liebsten Berliner Verkehrsmittel fragt, bleibt die Antwort dieselbe: Straßenbahn.
Früher vielleicht auch, weil dort gefühlt nie kontrolliert wurde.
Heute vor allem, weil ich kaum entspannter durch Berlin komme.
Berlin ist keine Sehenswürdigkeit. Berlin ist eine Stadt.
Wir sehen uns im ehrlichen Berlin – oder hier im nächsten Blog.
Haut rein 🖤
Quellen: Buch "U-Bahn, S-Bahn & Tram in Berlin" von Schwandl, Robert | Buch "Berliner Straßenbahn-Chronik: Die "elektrische" bei der BVG von 1929 bis 2015" von Sigurd Hilkenbach | Website "https://de.wikipedia.org/wiki/Geschichte_der_Straßenbahn_in_Berlin" | Website "https://de.wikipedia.org/wiki/Straßenbahn_Berlin" | VIELE DER BILDER IN DIESEM BEITRAG SIND BEISPIELBILDER UND STAMMEN NICHT VON DEM BESUCHTEN ORT.
Häufige Fragen zur Straßenbahn in Berlin
Warum gibt es in West-Berlin kaum Straßenbahnen?
In großen Teilen des ehemaligen West-Berlins gibt es heute kaum Straßenbahnen, weil West-Berlin sein Tramnetz ab den 1950er-Jahren schrittweise stilllegte. Die Verkehrsplanung setzte stattdessen stärker auf Busse, U-Bahn und die autogerechte Stadt. 1967 wurde die letzte West-Berliner Straßenbahnlinie eingestellt.
Warum fährt die Straßenbahn in Berlin hauptsächlich im Osten?
Die Berliner Straßenbahn fährt hauptsächlich im ehemaligen Osten, weil Ost-Berlin sein Netz im Gegensatz zu West-Berlin nicht vollständig abschaffte. Ab Ende der 1970er-Jahre wurden sogar neue Strecken in Großwohnsiedlungen wie Marzahn, Hohenschönhausen und Hellersdorf gebaut. Diese unterschiedliche Verkehrspolitik prägt das Berliner Straßenbahnnetz bis heute.
Seit wann gibt es Straßenbahnen in Berlin?
Straßenbahnen gibt es in Berlin seit dem 22. Juni 1865. Damals nahm Deutschlands erste Pferdestraßenbahn ihren Betrieb auf. Die Strecke führte vom Brandenburger Tor nach Charlottenburg. Aus diesem vergleichsweise kleinen Anfang entwickelte sich später eines der größten Straßenbahnnetze der Welt.
Wo fuhr die erste Straßenbahn in Berlin?
Die erste Berliner Straßenbahn fuhr 1865 vom Brandenburger Tor über die damalige Charlottenburger Chaussee nach Charlottenburg. Sie wurde noch von Pferden gezogen. Bemerkenswert daran: Die Geschichte der Berliner Straßenbahn begann damit ausgerechnet Richtung des späteren West-Berlins, wo die Tram gut 100 Jahre später vollständig abgeschafft wurde.
Wann fuhr die erste elektrische Straßenbahn in Berlin?
1881 nahm in Groß-Lichterfelde die erste elektrische Straßenbahn der Welt ihren Betrieb auf. Entwickelt wurde sie von Werner Siemens. Im damaligen Berliner Stadtgebiet folgte 1895 die erste regelmäßig elektrisch betriebene Straßenbahnlinie. Bis 1902 hatten elektrische Bahnen die Pferdebahnen weitgehend verdrängt.
Warum wurde die Straßenbahn in West-Berlin abgeschafft?
West-Berlin begann ab 1954 damit, die Straßenbahn schrittweise durch Busse und den Ausbau der U-Bahn zu ersetzen. Die Tram galt damals als überholt und als Hindernis für den wachsenden Autoverkehr. Diese Vorstellung einer autogerechten Stadt führte dazu, dass das West-Berliner Straßenbahnnetz bis 1967 vollständig stillgelegt wurde.
Wann fuhr die letzte Straßenbahn in West-Berlin?
Die letzte Straßenbahn West-Berlins fuhr am 2. Oktober 1967. Es handelte sich um die Linie 55 zwischen Zoo und Hakenfelde. Damit endete der reguläre Straßenbahnbetrieb im Westteil der Stadt, nachdem das Netz bereits seit den 1950er-Jahren schrittweise verkleinert worden war.
Warum wurde die Straßenbahn in Ost-Berlin nicht abgeschafft?
Auch Ost-Berlin entfernte zunächst Straßenbahnen aus wichtigen Straßen und vom Alexanderplatz. Das Netz wurde jedoch nie vollständig aufgegeben. Als ab Ende der 1970er-Jahre große Neubaugebiete wie Marzahn, Hohenschönhausen und Hellersdorf entstanden, wurden neue Straßenbahnstrecken gebaut, um diese mit anderen Teilen der Stadt zu verbinden.
Was passierte mit den Straßenbahnen nach der Teilung Berlins?
Nach der Teilung Berlins wurden auch die Verkehrsbetriebe getrennt. 1953 endete der durchgehende Straßenbahnverkehr zwischen Ost und West. Fahrgäste mussten an der Sektorengrenze aussteigen, die Grenze zu Fuß überqueren und auf der anderen Seite teilweise in eine Straßenbahn mit derselben Liniennummer einsteigen. Nach dem Mauerbau 1961 war auch damit Schluss.
Gab es früher auch Straßenbahnen in West-Berlin?
Ja. Straßenbahnen fuhren früher durch Ost- und West-Berlin, und die erste Berliner Pferdestraßenbahn führte 1865 sogar nach Charlottenburg. Erst nach der Teilung entwickelten sich die Netze unterschiedlich. West-Berlin legte seine Straßenbahnstrecken schrittweise still, bis 1967 die letzte Linie ihren Betrieb einstellte.
Fährt die Straßenbahn heute wieder im ehemaligen West-Berlin?
Ja. Nach der Wiedervereinigung wurde das Straßenbahnnetz an mehreren Stellen über die frühere Ost-West-Grenze hinaus erweitert. 1995 erreichte eine Strecke die Osloer Straße. Später kamen weitere Verbindungen hinzu, darunter die M10 über den Hauptbahnhof bis zur Turmstraße. Der größte Teil des Berliner Tramnetzes liegt trotzdem weiterhin im ehemaligen Osten.
Wie groß war das Berliner Straßenbahnnetz früher?
1929 betrieb die neu gegründete BVG 89 Straßenbahnlinien auf rund 634 Kilometern Streckenlänge und verfügte über etwa 4.000 Straßenbahnfahrzeuge. Im selben Jahr wurden rund **929 Millionen Fahrten** mit der Berliner Straßenbahn gezählt – durchschnittlich mehr als 2,5 Millionen pro Tag. Die Tram gehörte damit zu den wichtigsten Verkehrsmitteln der damaligen Millionenstadt.
Wie groß ist das Berliner Straßenbahnnetz heute?
Das Berliner Straßenbahnnetz umfasst heute rund 200 Kilometer Strecke und ist damit laut BVG das drittgrößte Straßenbahnnetz der Welt. Die BVG betreibt rund 381 Straßenbahnfahrzeuge; die Linien kommen zusammen auf etwa 320 Kilometer Linienlänge. Pro Jahr nutzen rund 200 Millionen Fahrgäste die Berliner Straßenbahn. Allein auf der M4 sind täglich etwa 100.000 Fahrgäste unterwegs.
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