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Reichstag Berlin:

Die Geschichte hinter dem Deutschen Bundestag

19. August 2026 - Phil Ernst - Berliner Concierge

Der Reichstag in Berlin gehört zu den bedeutendsten politischen Gebäuden Deutschlands.

Seine Geschichte führt vom Deutschen Kaiserreich über die Weimarer Republik, den Reichstagsbrand und den Zweiten Weltkrieg bis zur deutschen Teilung, Wiedervereinigung und dem heutigen Deutschen Bundestag. Kaum ein anderes Gebäude in Berlin hat so viele politische Umbrüche Deutschlands unmittelbar miterlebt.

Reichstagsgebäude mit Vorplatz und deutschen Flaggen bei bewölktem Hintergrund.

Warum ist der Reichstag in Berlin historisch so bedeutend?

Das Reichstagsgebäude wurde zwischen 1884 und 1894 als Sitz des Reichstags im Deutschen Kaiserreich errichtet. Seitdem wurde es zum Schauplatz entscheidender Kapitel deutscher Geschichte: der Ausrufung der Republik 1918, des Reichstagsbrands 1933, der Schlacht um Berlin 1945 und schließlich der deutschen Wiedervereinigung.

Seit 1999 ist es Sitz des Deutschen Bundestags.

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Deutsche Flagge und europäische Flagge auf einem Turm vom Reichstag in Berlin

Was ist der Unterschied zwischen Reichstag und Bundestag?

Reichstag und Bundestag sind nicht dasselbe. Der Deutsche Bundestag ist das Parlament der Bundesrepublik Deutschland. Der Reichstag – genauer gesagt das Reichstagsgebäude – ist das historische Gebäude in Berlin, in dem der Bundestag seit 1999 seinen Sitz hat.

Der Name „Reichstag“ stammt aus einer anderen Epoche: Das Gebäude wurde ursprünglich für den Reichstag des 1871 gegründeten Deutschen Kaiserreichs errichtet.

Nahaufnahme von der Glaskuppel mit Besuchern im Reichstag, Berlin.

Warum hat der Reichstag eine Glaskuppel?

Die heutige gläserne Reichstagskuppel entstand beim Umbau durch den britischen Architekten Norman Foster in den 1990er-Jahren. Besucher können von der Kuppel in den darunterliegenden Plenarsaal blicken.

Die transparente Architektur wird auch als Symbol für eine offene und nachvollziehbare Demokratie verstanden – gerade angesichts der Geschichte dieses Gebäudes ein starkes Bild.

Reichstag mit Glaskuppel und deutschen Flaggen mit Vorplatz in Berlin, Deutschland.

Reichstag Berlin: Geschichte auf einen Blick

  • Baubeginn: 1884
  • Eröffnung: 1894
  • Architekt: Paul Wallot
  • Reichstagsbrand: 27. Februar 1933
  • Schwere Zerstörung: 1945 während der Schlacht um Berlin
  • Deutsche Wiedervereinigung: 3. Oktober 1990
  • Verhüllung durch Christo und Jeanne-Claude: 1995
  • Umbau durch Norman Foster: 1990er-Jahre
  • Sitz des Deutschen Bundestags: seit 1999
  • Standort: Platz der Republik, Berlin-Tiergarten
Nahaufnahme von einer Löwenstatue vom Reichstag, Berlin.

Die Geschichte des Reichstags – und warum sie bis heute wichtig ist

So Freunde,

der Bundestag spielt im Alltag der meisten Berliner wahrscheinlich eine erstaunlich kleine Rolle.

Klar, wir hören jeden Tag von Entscheidungen, die dort getroffen werden. Aber welcher normale Berliner Alltag spielt sich schon zwischen Plenarsaal, Abgeordnetenbüros und dem Brandenburger Tor ab?

Ich selbst bin nähe Oberbaumbrücke und Frankfurter Tor aufgewachsen und war wie wahrscheinlich viele Berliner das erste und einzige Mal mit der Schule im Reichstag.

Wandertag bedeutete für uns damals eigentlich nur eins: Schulfrei. Viel von der Führung ist dementsprechend nicht hängen geblieben.

Eine Sache allerdings schon.

Uns wurde erklärt, warum diese gläserne Kuppel über dem Parlament sitzt und was es bedeutet, dass Besucher von oben auf den Plenarsaal schauen können.

Dieser Gedanke hat sich bei mir bis heute festgesetzt. Wenn man sich anschaut, was in und um dieses Gebäude in den vergangenen rund 130 Jahren passiert ist, versteht man auch, warum gerade hier Transparenz, Volk und politische Macht eine ganz besondere Bedeutung bekommen.

Dazu später mehr.

Reichstagsgebäude bei starkem Regen in Berlin.

Warum wurde der Reichstag in Berlin gebaut?

Die Geschichte des Reichstags beginnt mit der Gründung des Deutschen Kaiserreichs 1871. Berlin war nun Hauptstadt eines neuen Nationalstaates – doch für das Parlament fehlte ein Gebäude, das dieser Rolle entsprach.

In zwei Architekturwettbewerben wurde nach einem passenden Entwurf gesucht. Am Ende setzte sich der Frankfurter Architekt Paul Wallot durch. Am 9. Juni 1884 legte Kaiser Wilhelm I. den Grundstein, zehn Jahre später war der Reichstag fertig.

Wallot entwarf einen monumentalen Bau mit vier Ecktürmen und einer großen Kuppel aus Stahl und Glas. Dabei verband er Elemente aus Renaissance, Barock und Klassizismus. 1894 konnte das Parlament schließlich einziehen.

Der Reichstag sollte dem Parlament des noch jungen Kaiserreichs einen festen Platz geben – in einer Zeit, in der politische Macht allerdings noch ganz anders verteilt war als heute.

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Schriftzug über dem Eingang vom Reichstag, Berlin

„Dem deutschen Volke“ – warum die Inschrift erst später kam

Heute gehört „Dem deutschen Volke“ so selbstverständlich zum Reichstag, dass man meinen könnte, die Worte hätten schon immer über seinem Eingang gestanden.

Tatsächlich wurde die Inschrift erst 1916 angebracht – mehr als 20 Jahre nach der Fertigstellung und mitten im Ersten Weltkrieg. Über die Formulierung war zuvor jahrelang gestritten worden, auch Kaiser Wilhelm II. stand ihr ablehnend gegenüber. Die rund 16 Meter breite Schrift entstand schließlich aus eingeschmolzenen Kanonenrohren aus den Befreiungskriegen gegen Napoleon.

Rückblickend wirken diese drei Worte fast wie eine Überschrift über die weitere Geschichte des Gebäudes. Denn die Frage, wie viel politische Macht tatsächlich vom Volk ausgeht, sollte Deutschland in den kommenden Jahrzehnten noch auf ziemlich brutale Weise beschäftigen.

Schwarz-weiss foto vom Reichstag mit vielen Besuchern davor.

1918: Vom Kaiserreich zur Republik

Nur zwei Jahre nach der Anbringung der Inschrift war das Deutsche Kaiserreich Geschichte.

Am 9. November 1918, in den letzten Tagen des Ersten Weltkriegs, rief der SPD-Politiker Philipp Scheidemann von einem Fenster des Reichstags die Republik aus. Kaiser Wilhelm II. dankte ab, aus der Monarchie wurde eine parlamentarische Demokratie.

Der Reichstag blieb auch während der Weimarer Republik Sitz des Parlaments. Erstmals konnten nun auch Frauen wählen und selbst als Abgeordnete ins Parlament einziehen.

Damit hatte sich die politische Bedeutung des Gebäudes grundlegend verändert: Ein Reichstag, der für das Parlament eines Kaiserreichs gebaut worden war, wurde zum Parlament einer Republik.

Doch die erste deutsche Demokratie sollte nicht lange bestehen. Eines der bekanntesten Ereignisse in der Geschichte des Reichstags wurde schließlich zu einem entscheidenden Moment ihres Endes.

Deutschlandflagge auf dem Turm vom Reichstag in Berlin bei Dunkelheit.

Der Reichstagsbrand 1933 – der Wendepunkt

Am Abend des 27. Februar 1933 brannte der Reichstag. Die Flammen zerstörten unter anderem den Plenarsaal.

Im Gebäude wurde der niederländische Kommunist Marinus van der Lubbe festgenommen und später als Täter verurteilt und hingerichtet. Bis heute wird darüber diskutiert, ob er allein handelte. Entscheidend war jedoch, wie die Nationalsozialisten den Brand politisch nutzten.

Bereits am folgenden Tag wurde die sogenannte Reichstagsbrandverordnung erlassen.

Grundrechte wurden außer Kraft gesetzt und politische Gegner verfolgt. Besonders Kommunisten und Sozialdemokraten gerieten ins Visier.

Nur wenige Wochen später verabschiedete der Reichstag das Ermächtigungsgesetz. Die parlamentarische Demokratie war damit faktisch ausgeschaltet.

Das Gebäude, das für parlamentarische Vertretung errichtet worden war, stand plötzlich für deren Zerstörung.

Spree im politischen Berlin mit Reichstag und Bundestag bei bewölktem Himmel

Welche Rolle spielte der Reichstag in der NS-Zeit?

Während der nationalsozialistischen Diktatur spielte das Reichstagsgebäude politisch kaum noch eine Rolle.

Nach dem Brand war der Plenarsaal nicht mehr nutzbar. Die wenigen Sitzungen des Reichstags fanden deshalb überwiegend in der Krolloper gegenüber dem beschädigten Gebäude statt. Durch das Ermächtigungsgesetz hatte das Parlament seine tatsächliche politische Macht ohnehin verloren.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude teilweise militärisch und für andere Zwecke genutzt. Im Keller befand sich zeitweise sogar eine Entbindungsstation der Charité.

Gerade mit Blick auf den Reichstag von heute finde ich das bemerkenswert: Wir verbinden das Gebäude inzwischen so stark mit deutscher Politik, dass man schnell vergisst, dass hier während der zwölf Jahre der NS-Diktatur*kein funktionierendes demokratisches Parlament arbeitete.

Am Ende des Krieges bekam der Reichstag trotzdem enorme symbolische Bedeutung – diesmal für die Rote Armee.

Reichstagsgebäude von unten fotografiert mit blauem Himmel und Fassade.

1945: Warum wurde der Reichstag zum Symbol der Schlacht um Berlin?

Im Frühjahr 1945 rückte die Rote Armee auf das Zentrum Berlins vor. Obwohl der Reichstag für das NS-Regime politisch kaum noch Bedeutung hatte, galt das monumentale Gebäude den sowjetischen Soldaten als Symbol des Deutschen Reiches.

Ende April wurde deshalb heftig um das Gebäude gekämpft. Der Reichstag wurde durch Artillerie, Feuer und die Kämpfe schwer beschädigt. Am 30. April 1945 erreichten sowjetische Soldaten das Dach und hissten dort eine rote Fahne.

Das weltberühmte Foto der sowjetischen Flagge über dem zerstörten Reichstag entstand allerdings später als inszenierte Aufnahme. Trotzdem wurde das Motiv zu einem der bekanntesten Bilder für das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa.

Wer heute zwischen Reichstag und Brandenburger Tor steht, sieht davon kaum noch etwas. 1945 gehörte genau dieses Gebiet zu den letzten großen Schlachtfeldern des Krieges mitten in Berlin.

Fassade den Berliner Reichstags mit Baum im Vordergrund.

Die Spuren sowjetischer Soldaten im Reichstag

Die Einnahme des Reichstags hinterließ Spuren, die teilweise bis heute im Gebäude zu sehen sind. Sowjetische Soldaten schrieben nach den Kämpfen ihre Namen, Heimatorte, Einheiten und kurze Botschaften auf die Wände.

Als der Reichstag Jahrzehnte später für den Deutschen Bundestag umgebaut wurde, entschied man sich bewusst dafür, einen Teil dieser sowjetischen Graffiti zu erhalten.

Genau solche Details machen den Reichstag für mich interessanter als ein perfekt restauriertes Regierungsgebäude. Seine Geschichte wurde nicht vollständig überputzt. Die Spuren von 1945 stehen heute mitten in einem demokratischen Parlament.

Das passt auch zu Berlin selbst. Zwischen Reichstag, Holocaust Denkmal und anderen Orten im Zentrum liegen völlig unterschiedliche Kapitel deutscher Geschichte teilweise nur wenige Minuten voneinander entfernt. Man muss eigentlich nur wissen, worauf man schaut.

Glaskuppel vom Berliner Reichstag von innen mit Aussicht über das Regierungsviertel.

Der Reichstag im geteilten Berlin

Nach 1945 stand der schwer beschädigte Reichstag in einer völlig neuen politischen Realität. Berlin war geteilt, die Bundesrepublik hatte ihren Regierungssitz in Bonn und die DDR ihr politisches Zentrum im Osten der Stadt.

Der Reichstag lag im Westteil Berlins – nur wenige Meter von der später errichteten Berliner Mauer entfernt. Als Parlament wurde er nicht mehr gebraucht.

In den 1960er-Jahren wurde das Gebäude nach Plänen des Architekten Paul Baumgarten wiederaufgebaut und stark vereinfacht. Der Plenarsaal wurde verglast, viele historische Elemente verschwanden. Die beschädigte historische Kuppel war bereits 1954 gesprengt worden und wurde nicht wieder aufgebaut.

Während auf der anderen Seite der Mauer mit dem Fernsehturm und rund um das Rote Rathaus das politische Zentrum Ost-Berlins lag, stand der ehemalige Reichstag direkt an der Grenze zweier politischer Systeme.

Grüner Vorplatz mit Reichstagsgebaeude und Glaskuppel in Berlin.

1990: Die deutsche Einheit vor dem Reichstag

Mit dem Fall der Berliner Mauer 1989 bekam der Reichstag plötzlich wieder politische Bedeutung.

Am 3. Oktober 1990 wurde vor dem Reichstagsgebäude die deutsche Wiedervereinigung gefeiert. Um Mitternacht wurde dort die deutsche Flagge gehisst. Bereits am folgenden Tag trat im Reichstag erstmals das aus Bundestag und Volkskammer zusammengesetzte gesamtdeutsche Parlament zusammen.

Doch damit war noch nicht entschieden, dass das Parlament dauerhaft nach Berlin zurückkehren würde. Erst am 20. Juni 1991 stimmte der Bundestag nach einer kontroversen Debatte dafür, seinen Sitz von Bonn nach Berlin zu verlegen.

Damit begann für den Reichstag erneut ein grundlegender Wandel: Aus einem Gebäude, das jahrzehntelang unmittelbar an der Grenze des geteilten Berlins gestanden hatte, sollte wieder der Sitz des deutschen Parlaments werden.

Fassade vom Berliner Reichstag mit Deutschlandflagge im Vordergrund.

1995: Als der Reichstag für zwei Wochen verschwand

Bevor der Reichstag zum heutigen Bundestag umgebaut wurde, verhüllten die Künstler Christo und Jeanne-Claude im Sommer 1995 das gesamte Gebäude.

Rund 100.000 Quadratmeter silberfarbenes Gewebe und kilometerlange blaue Seile verwandelten den Reichstag für zwei Wochen in ein riesiges Kunstwerk. Die Idee war bereits in den 1970er-Jahren entstanden, doch erst 1994 stimmte der Bundestag dem Projekt zu.

Rund fünf Millionen Menschen sollen den verhüllten Reichstag gesehen haben.

Der Zeitpunkt hätte kaum passender sein können: Die deutsche Teilung war vorbei, der Bundestag sollte nach Berlin zurückkehren – aber der Reichstag, wie wir ihn heute kennen, existierte noch nicht.

Glaskuppel vom Berliner Reichstag mit Besuchern bei Dunkelheit.

Norman Foster baut den Reichstag um

Direkt nach der Verhüllung begann der Umbau zum neuen Sitz des Deutschen Bundestags. Verantwortlich war der britische Architekt Norman Foster.

Dabei sollte der Reichstag nicht einfach in seinen Zustand von 1894 zurückversetzt werden. Historische Spuren blieben erhalten, gleichzeitig entstand im Inneren ein modernes Parlamentsgebäude.

Die auffälligste Veränderung befindet sich auf dem Dach: die neue begehbare Kuppel aus Glas und Stahl. Im Inneren führen spiralförmige Rampen nach oben, während ein großer Spiegeltrichter Tageslicht in den darunterliegenden Plenarsaal lenkt.

Und genau bei dieser Kuppel sind wir wieder bei meinem einzigen Schulbesuch im Reichstag.

Besucher mit guter Aussicht von der Glaskuppel des Reichstagsgebäude.

Warum die gläserne Reichstagskuppel mehr als eine Aussicht bietet

Von diesem Wandertag habe ich wirklich nicht mehr viel im Kopf. Aber eine Erklärung ist hängen geblieben: Oben läuft das Volk, unten arbeiten seine gewählten Vertreter.

Besucher können aus der Kuppel in den Plenarsaal blicken. Politik befindet sich damit nicht irgendwo abgeschottet hinter dicken Mauern – zumindest architektonisch wird sie sichtbar.

Natürlich macht eine Glaskuppel allein noch keine transparente Demokratie. Aber als Symbol finde ich sie gerade in diesem Gebäude ziemlich stark. An einem Ort, der Kaiserreich, das Scheitern der Weimarer Demokratie, NS-Diktatur, Krieg und deutsche Teilung erlebt hat, steht heute das Volk buchstäblich über dem Plenarsaal.

Vielleicht hat sich genau deshalb diese eine Erklärung bei mir eingebrannt, während ich den Rest des Wandertags längst vergessen habe.

Viele kleine Regenbogenflaggen auf dem Vorplatz vom Reichstagsgebäude in Berlin, Deutschland.

Seit 1999 sitzt der Deutsche Bundestag im Reichstagsgebäude

Am 19. April 1999 übergab Norman Foster das umgebaute Reichstagsgebäude offiziell an den Bundestag. Am 6. September 1999 begann dort die erste reguläre Sitzungswoche.

Damit war der Reichstag nach mehr als sechs Jahrzehnten wieder das, wofür er ursprünglich gebaut worden war: ein Parlamentsgebäude – allerdings in einem völlig anderen politischen System.

Heute sitzen im Plenarsaal die Abgeordneten des Deutschen Bundestags, während über ihnen Besucher durch die gläserne Kuppel laufen. Historische Bausubstanz und die sowjetischen Graffiti blieben teilweise erhalten.

Man hat nach der Wiedervereinigung also nicht versucht, die komplizierte Vergangenheit des Reichstags verschwinden zu lassen. Sie ist bis heute Teil des Gebäudes, in dem die deutsche Demokratie arbeitet.

Turm mit Fenstern und Deutschlandflagge vom Reichstag bei strahlend blauem Himmel.

Ein Gebäude, das im Berliner Alltag fast keine Rolle spielt

Und trotzdem: Für die meisten Berliner bleibt der Reichstag wahrscheinlich ein Gebäude, an dem man eher vorbeifährt, als dass man hineingeht.

Das ist eigentlich ein ziemlich interessanter Widerspruch. Hier werden Entscheidungen getroffen, die Menschen in ganz Deutschland jeden Tag betreffen – und trotzdem fühlt sich dieses politische Berlin im normalen Berliner Alltag oft erstaunlich weit weg an.

Ich habe später durch meine Arbeit im Tourismus sicherlich Hunderte Gäste zum Reichstag geschickt. Meistens ging es um die Kuppel, die Aussicht oder darum, eines der bekanntesten Gebäude Berlins einmal von innen zu sehen.

Wie viel Berliner und deutsche Geschichte dabei in diesen Mauern steckt, wissen die wenigsten. Wenn man sie einmal kennt, schaut man beim nächsten Vorbeigehen definitiv anders auf den Reichstag.

Reichstagsgebäude mit Kuppel und Deutschlandflaggen und Fernsehturm im Hintergrund.

Unser Fazit zur Geschichte des Reichstags

Für uns ist der Reichstag deshalb weit mehr als das Gebäude mit der Glaskuppel neben dem Brandenburger Tor. Seine Geschichte erzählt von Kaiserreich und Demokratie, Diktatur und Krieg, Teilung und Wiedervereinigung.

Und am Ende lande ich wieder bei diesem einen Satz aus meinem Wandertag: Oben das Volk, unten seine Vertreter.

Damals war das für mich nur die eine interessante Information zwischen Schulfrei und Klassenkameraden. Heute finde ich den Gedanken ziemlich passend für ein Gebäude, dessen Geschichte immer wieder davon erzählt, wie sich das Verhältnis zwischen politischer Macht und Bevölkerung verändert hat.

Wenn du dich für die Geschichte Berlins interessierst, lies gerne auch unsere Blogs über die Museumsinsel, den Volkspark Friedrichshain, den Berliner Dom oder das Holocaust Mahnmal.

Berlin ist keine Sehenswürdigkeit. Berlin ist eine Stadt.

Wir sehen uns im ehrlichen Berlin – oder hier im nächsten Blog.

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Quellen: Buch "Der Reichstag: Vom Parlament des Kaiserreichs zum Symbol der Berliner Republik" vom Ch. Links Verlag | Buch "Der Reichstag: Symbol deutscher Geschichte " vom BeBra Verlag | Website "https://www.bundestag.de" | Website "https://de.wikipedia.org/wiki/Reichstagsgebäude" | VIELE DER BILDER IN DIESEM BEITRAG SIND BEISPIELBILDER UND STAMMEN NICHT VON DEM BESUCHTEN ORT.

Häufige Fragen zur Geschichte des Reichstags in Berlin

Wann wurde der Reichstag in Berlin gebaut?

Das Reichstagsgebäude in Berlin wurde zwischen 1884 und 1894 errichtet. Am 9. Juni 1884 legte Kaiser Wilhelm I. den Grundstein. Nach zehn Jahren Bauzeit wurde das Gebäude 1894 fertiggestellt und vom Reichstag des Deutschen Kaiserreichs genutzt.

Warum wurde der Reichstag gebaut?

Der Reichstag wurde als Parlamentsgebäude des 1871 gegründeten Deutschen Kaiserreichs gebaut. Nach der Reichsgründung benötigte das Parlament in der neuen Hauptstadt Berlin einen eigenen, repräsentativen Sitz. Zuvor tagten die Abgeordneten in provisorischen Gebäuden.

Wer hat den Reichstag in Berlin gebaut?

Der Reichstag wurde nach den Plänen des deutschen Architekten Paul Wallot gebaut. Sein Entwurf setzte sich 1882 in einem Architekturwettbewerb durch. Wallot verband bei dem monumentalen Bau verschiedene historische Baustile und plante auch die damalige Kuppel aus Stahl und Glas.

Was ist der Unterschied zwischen Reichstag und Bundestag?

Der Bundestag ist das deutsche Parlament, der Reichstag beziehungsweise das Reichstagsgebäude ist das Gebäude, in dem dieses Parlament tagt. Das Reichstagsgebäude wurde ursprünglich für den Reichstag des Deutschen Kaiserreichs errichtet. Seit 1999 ist es der Sitz des Deutschen Bundestags in Berlin.

Was bedeutet die Inschrift „Dem deutschen Volke“ am Reichstag?

Die Inschrift „Dem deutschen Volke“ verweist darauf, dass die parlamentarische Arbeit dem deutschen Volk dienen soll. Sie gehörte allerdings nicht von Anfang an zum Reichstag, sondern wurde erst 1916 angebracht – mehr als 20 Jahre nach der Fertigstellung des Gebäudes. Über die Inschrift hatte es zuvor jahrelange politische Auseinandersetzungen gegeben.

Sie besteht aus eingeschmolzenen Kanonenrohren aus den Befreiungskriegen gegen Napoleon.

Wann wurde am Reichstag die Republik ausgerufen?

Am 9. November 1918 rief der SPD-Politiker Philipp Scheidemann von einem Fenster des Reichstagsgebäudes die Republik aus. Das Deutsche Kaiserreich stand damit vor seinem Ende und Deutschland wurde zur parlamentarischen Demokratie. Der Reichstag blieb anschließend auch während der Weimarer Republik Sitz des Parlaments.

Was geschah beim Reichstagsbrand 1933?

Am Abend des 27. Februar 1933 brannte das Reichstagsgebäude in Berlin, wobei unter anderem der Plenarsaal schwer beschädigt wurde. Die Nationalsozialisten nutzten den Brand unmittelbar, um mit der Reichstagsbrandverordnung wesentliche Grundrechte außer Kraft zu setzen und politische Gegner zu verfolgen. Der Reichstagsbrand wurde damit zu einem wichtigen Ereignis beim Übergang von der Demokratie zur nationalsozialistischen Diktatur.

Hat Hitler jemals im Reichstagsgebäude eine Rede gehalten?

Nein, Adolf Hitler hielt keine Rede im Reichstagsgebäude. Nach dem Reichstagsbrand 1933 war der Plenarsaal nicht mehr nutzbar. Die Sitzungen des Reichstags fanden deshalb in der gegenüberliegenden Krolloper statt, wo Hitler auch vor dem Reichstag sprach.

Was passierte 1945 mit dem Reichstag?

Der Reichstag wurde während der Schlacht um Berlin 1945 schwer beschädigt und Ende April von sowjetischen Soldaten eingenommen. Obwohl das Gebäude für das NS-Regime politisch kaum noch eine Rolle spielte, besaß es für die Rote Armee eine große symbolische Bedeutung. Das Bild der sowjetischen Flagge auf dem Reichstag wurde später zu einem der bekanntesten Symbole für das Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa.

Warum gibt es sowjetische Graffiti im Reichstag?

Nach der Einnahme des Reichstags 1945 hinterließen sowjetische Soldaten Namen, Heimatorte, Einheiten und Botschaften an den Wänden. Beim Umbau zum heutigen Sitz des Deutschen Bundestags wurde bewusst entschieden, einen Teil dieser Graffiti zu erhalten. Dadurch sind Spuren der Schlacht um Berlin bis heute im Reichstagsgebäude sichtbar.

Warum wurde der Reichstag 1995 verhüllt?

Der Reichstag wurde 1995 im Rahmen des Kunstprojekts „Verhüllter Reichstag“ von Christo und Jeanne-Claude vollständig mit silberfarbenem Gewebe verhüllt. Das Künstlerpaar hatte sich bereits seit den 1970er-Jahren für das Projekt eingesetzt. Die Verhüllung dauerte zwei Wochen und zog rund fünf Millionen Besucher an.

Warum hat der Reichstag heute eine Glaskuppel?

Die heutige Glaskuppel entstand beim Umbau des Reichstags durch den britischen Architekten Norman Foster in den 1990er-Jahren. Besucher können von der Kuppel in den darunterliegenden Plenarsaal blicken. Neben ihrer architektonischen Funktion wird die transparente Kuppel deshalb auch als Symbol für Offenheit, Transparenz und eine demokratische Kontrolle der politischen Macht verstanden.

Warum wurde die ursprüngliche Kuppel des Reichstags abgerissen?

Die ursprüngliche Kuppel des Reichstags war nach dem Zweiten Weltkrieg stark beschädigt. 1954 wurde sie aus Sicherheitsgründen gesprengt und beim späteren Wiederaufbau unter Paul Baumgarten nicht ersetzt. Erst beim Umbau durch Norman Foster in den 1990er-Jahren erhielt der Reichstag wieder eine Kuppel – diesmal als moderne Konstruktion aus Glas und Stahl.