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Weißensee Berlin
Die Geschichte vom Rittergut zum Berliner Ausflugsziel
24. September 2026 - Phil Ernst - Berliner Concierge
Die Geschichte von Berlin-Weißensee beginnt mit einem kleinen Dorf am Ufer eines eiszeitlichen Sees. Was heute ein beliebter Berliner Erholungsort ist, war früher ein Rittergut, später ein Vergnügungspark mit Schloss und schließlich ein bedeutender Standort der deutschen Filmindustrie.
Wer heute um den Weißen See spaziert, läuft durch mehrere Jahrhunderte Berliner Geschichte. Zwischen Strandbad, Milchhäuschen und alten Parkbäumen steckt deutlich mehr Vergangenheit, als man auf den ersten Blick vermuten würde.
Wann wurde Berlin-Weißensee gegründet?
Berlin-Weißensee entstand im frühen 13. Jahrhundert als Straßendorf am Ostufer des Weißen Sees. Das Dorf wurde 1313 erstmals urkundlich erwähnt und entwickelte sich später vom Rittergut zu einer wachsenden Gemeinde, die 1920 Teil von Groß-Berlin wurde.
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Was stand früher am Weißen See in Berlin?
Am Südufer des Weißen Sees stand früher das 1859 errichtete Schloss Weißensee. Später entstand dort ein großer Vergnügungspark mit Tanzsälen, Karussells und Bierlokalen. Das Schloss brannte 1919 ab, aus dem Gelände entwickelte sich der heutige Park am Weißen See.
Fakten auf einen Blick
- Ort: Berlin-Weißensee, Bezirk Pankow
- Entstehung des Sees: Nach der letzten Eiszeit
- Erste urkundliche Erwähnung des Dorfes: 1313
- Rittergut Weißensee: Seit etwa 1540
- Schloss Weißensee: 1859 errichtet, 1919 abgebrannt
- Öffentlicher Park: Seit Beginn des 20. Jahrhunderts
- Filmstadt Weißensee: Besonders bedeutend in den 1910er- und 1920er-Jahren
- Eingemeindung nach Groß-Berlin: 1920
- Heute: Erholungsgebiet mit Strandbad, Rundweg und geschützten Uferbereichen
So Freunde,
es gibt kaum einen Monat, in dem wir nicht am Weißen See spazieren gehen. Ein oder zwei Runden werden es eigentlich immer. Im Sommer sitzen wir gerne gemütlich am Strandbad, im Herbst laufen wir unter den alten Bäumen entlang und im Winter hat der See noch einmal eine ganz andere Atmosphäre.
Meine ersten Erinnerungen reichen allerdings weiter zurück. Ich denke ans Kastaniensammeln und daran, wie ich zum ersten Mal auf dem vereisten Weißen See stand.
Auch meine Familie verbindet einiges mit diesem Ort. Mein Vater ist in den 1970er-Jahren unweit des Sees aufgewachsen. Für ihn war er ein regelmäßiger Treffpunkt. Oma Jutta erzählte mir vom Milchhäuschen und von den Filmsets in Weißensee.
Und genau deshalb wollte ich diesen Artikel schreiben. Denn hinter dem heutigen Park steckt eine Geschichte, die weit über einen gewöhnlichen Berliner Badesee hinausgeht.
Wie entstand der Weiße See in Berlin?
Der Weiße See entstand nach der letzten Eiszeit als sogenannter Toteissee.
Ein zurückgebliebener Eisblock schmolz langsam ab und hinterließ eine Vertiefung, in der sich Wasser sammelte.
Der See liegt in der Grundmoränenlandschaft des Niederen Barnims. Diese Landschaft wurde während der Weichseleiszeit von gewaltigen Eismassen geformt.
Mit rund 8,3 Hektar ist der Weiße See vergleichsweise klein. Trotzdem erreichte er bei früheren Messungen eine maximale Tiefe von mehr als zehn Metern. Damit gehört er zu den ungewöhnlich tiefen Berliner Stillgewässern.
Sein Wasserhaushalt ist allerdings empfindlich. Der See besitzt keinen natürlichen oberirdischen Zufluss, der sinkende Wasserstände einfach ausgleichen könnte.
Die eiszeitliche Entstehung erklärt also nicht nur seine Form, sondern auch einen Teil der Herausforderungen, mit denen der Weiße See heute zu kämpfen hat.
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Wann wurde das Dorf Weißensee gegründet?
Weißensee entstand im frühen 13. Jahrhundert als Straßendorf am Ostufer des Sees. Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1313.
Der Ort lag an einer alten Handelsverbindung von Berlin über Bernau weiter nach Nordosten. Die heutige Berliner Allee geht auf diese historische Verkehrsachse zurück.
Die ersten Bewohner lebten vor allem von Landwirtschaft und Viehzucht. Der fischreiche See ergänzte ihre Lebensgrundlage, doch ein reines Fischerdorf war Weißensee nie.
Im alten Dorfkern steht noch heute die Dorfkirche Weißensee. Ihre ältesten erhaltenen Bauteile reichen bis ins Mittelalter zurück.
Wenn du heute vom Park zur Kirche läufst, bewegst du dich also durch den Bereich, in dem die Geschichte des Ortsteils ihren Anfang nahm.
Wie entwickelte sich Weißensee zum Rittergut?
Um 1540 entstand in Weißensee ein Rittergut, das über die folgenden Jahrhunderte mehrfach geteilt wurde und häufig den Besitzer wechselte.
Während des Dreißigjährigen Krieges wurde das Dorf schwer getroffen. Nach Kriegsende lebten dort nach den überlieferten Angaben nur noch drei Familien.
Erst langsam erholte sich der Ort.
Eine besondere Episode spielte sich 1763 ab: Der osmanische Gesandte Resmi Ahmed Efendi hielt sich mit seinem Gefolge vor seinem offiziellen Einzug in Berlin zeitweise auf dem Gut Weißensee auf.
König Friedrich II. hatte angeordnet, dass der Gesandte dort untergebracht und versorgt werden sollte. Weißensee wurde damit für kurze Zeit zu einem Schauplatz preußisch-osmanischer Diplomatie.
Ein ziemlich ungewöhnlicher Teil der Ortsgeschichte, wenn man bedenkt, dass wir heute vor allem an Spaziergänge und das Strandbad denken.
Warum erinnert die Pistoriusstraße an eine Schnapsbrennerei?
Johann Heinrich Leberecht Pistorius erwarb 1821 das Gut Weißensee und machte es zu einem landwirtschaftlichen Musterbetrieb.
Bekannt wurde er insbesondere durch seinen verbesserten Brennapparat zur Herstellung von Branntwein.
Pistorius ließ Kartoffeln anbauen und nutzte sie als Rohstoff für die Alkoholproduktion. Sein technisches Verfahren ermöglichte eine wirtschaftlichere Herstellung von Branntwein.
Das passte in eine Zeit, in der Berlin wuchs und die Nachfrage nach preiswertem Alkohol zunahm.
Pistorius war damit nicht einfach irgendein Gutsherr, sondern ein Unternehmer, dessen Erfindung weit über Weißensee hinaus Bedeutung hatte.
Sein Name ist im heutigen Straßenbild erhalten geblieben: Die Pistoriusstraße erinnert an den früheren Gutsbesitzer.
Hinter einem ganz gewöhnlichen Berliner Straßennamen steckt also ein Stück Industrie- und Wirtschaftsgeschichte.
Stand am Weißen See früher wirklich ein Schloss?
Ja. 1859 ließ Friedrich Wilhelm Lüdersdorff am Südufer des Weißen Sees ein schlossähnliches Herrenhaus errichten.
Gleichzeitig wurde die Umgebung zu einem Landschaftspark umgestaltet.
Lüdersdorff war ein Neffe von Pistorius und übernahm das Gut nach dessen Tod.
Das Gebäude war keine mittelalterliche Burg und auch keine königliche Residenz. Es handelte sich um ein repräsentatives Herrenhaus, das später als Schloss Weißensee bekannt wurde.
Ein Teil der alten Bäume im heutigen Park geht auf die Zeit zurück, in der das Gelände landschaftlich gestaltet wurde.
Das finde ich besonders interessant: Man läuft heute durch eine öffentliche Grünanlage, deren Ursprünge auf einen privaten Gutspark des 19. Jahrhunderts zurückgehen.
Doch die eigentliche Blütezeit des Schlosses begann erst mit seiner späteren Nutzung.
Wie wurde Schloss Weißensee zum Vergnügungspark?
Ab 1874 wurde das Schloss gastronomisch genutzt. Unter Rudolf Sternecker entwickelte sich daraus später das „Welt-Etablissement Schloss Weißensee“, ein beliebtes Ausflugsziel für Berliner.
Auf dem Gelände gab es zeitweise zwei Tanzsäle, Bierlokale, Karussells, eine Rutschbahn und verschiedene Jahrmarktangebote. Auch Ballonfahrten gehörten zur Geschichte des Vergnügungsparks.
Der Betrieb orientierte sich an den großen europäischen Vergnügungsstätten seiner Zeit.
Ab 1877 konnten Berliner Weißensee mit der Pferdebahn vom Alexanderplatz erreichen. Das machte den Ausflug ins damalige Umland wesentlich einfacher.
Und genau das darf man nicht vergessen:
Weißensee gehörte damals noch gar nicht zu Berlin.
Wo heute Menschen ihre Runden drehen oder auf einer Parkbank sitzen, kamen früher Ausflügler zusammen, um zu tanzen, zu trinken und einen ganzen Tag außerhalb der dicht bebauten Stadt zu verbringen.
Der Weiße See war schon damals ein Ort, an dem Berliner dem Alltag entkommen wollten.
Warum existiert Schloss Weißensee heute nicht mehr?
Das Schloss Weißensee wurde im Februar 1919 durch einen Brand zerstört und anschließend nicht wieder aufgebaut.
Während des Ersten Weltkriegs hatte das Gebäude als militärische Unterkunft gedient. Nach den überlieferten Berichten entzündete sich beim Abzug der Soldaten ein Feuer, als sie ihre Strohsäcke verbrannten.
Zu diesem Zeitpunkt war die große Ära des Vergnügungsparks ohnehin vorbei.
Die Gemeinde hatte Schloss und Park bereits 1908 erworben, um das Gelände öffentlich zugänglich zu machen. Nach dem Brand entwickelte sich die Anlage endgültig zum Bürger- und Volkspark.
Vom Schloss selbst ist heute nichts mehr erhalten.
Seine Geschichte steckt aber weiterhin im Park. Und genau das macht solche Orte für mich interessant: Manchmal ist das Spannendste an einem Berliner Spaziergang das, was längst verschwunden ist.
Seit wann gibt es das Strandbad Weißensee?
Das heutige Strandbad geht auf die historische Badeanstalt aus der Zeit des früheren Vergnügungsparks zurück.
Im frühen 20. Jahrhundert entwickelte sich daraus ein öffentlicher Badeort.
Mit dem Wandel vom privaten Ausflugsgelände zum Volkspark veränderte sich auch die Nutzung des Sees.
Familien konnten hier spazieren gehen, Kinder spielen und Berliner ihre Freizeit verbringen.
Die historische Badeanstalt wurde über die Jahrzehnte mehrfach verändert. Das Strandbad am Ostufer blieb jedoch erhalten und gehört heute zu den älteren noch genutzten Badeanlagen Berlins.
Auch für mich ist es bis heute einer der schönsten Plätze am Weißen See. Im Sommer sitzen wir gerne dort und schauen einfach aufs Wasser.
Wie viele weitere Orte für einen gemeinsamen Nachmittag in Berlin eignet sich der Weiße See übrigens auch wunderbar für unsere Berlin Dates.
Woher stammt der Name Milchhäuschen?
Das Milchhäuschen entstand 1913 als kommunale Milchverkaufsstelle am Weißen See.
Verkauft wurden unter anderem Milchprodukte aus dem gemeindeeigenen Kuhstall des damaligen Säuglings- und Kinderkrankenhauses.
Das klingt heute ungewöhnlich, gehörte damals aber zur Versorgung der Gemeinde.
Der ursprüngliche Bau musste in den 1960er-Jahren wegen seines schlechten Zustands weichen und wurde durch einen Neubau ersetzt.
Über Generationen blieb das Milchhäuschen ein fester Bestandteil des Weißenseer Alltags.
Oma Jutta hat mir noch davon erzählt. Für mich ist das deshalb nicht einfach irgendein Café am See, sondern einer dieser Orte, die in Familiengeschichten weiterleben.
Seit Sommer 2025 wird das Gebäude als griechisches Restaurant unter dem Namen „Ormos by Milchhäuschen“ betrieben.
Der Name erinnert weiterhin an die ursprüngliche Nutzung vor mehr als hundert Jahren.
Warum war Weißensee früher eine Filmstadt?
Zwischen 1913 und den späten 1920er-Jahren entwickelte sich Weißensee zu einem wichtigen Standort der deutschen Filmindustrie.
Zahlreiche Produktionsfirmen nutzten die dortigen Ateliers.
Die junge Filmbranche brauchte Platz für Kulissen, Technik und Dreharbeiten. Weißensee bot dafür geeignete Grundstücke außerhalb der dicht bebauten Innenstadt.
Hier entstanden zahlreiche Stummfilme. Besonders bekannt wurde „Das Cabinet des Dr. Caligari“, der 1920 veröffentlicht wurde.
Der expressionistische Film mit seinen verzerrten Kulissen und ungewöhnlichen Perspektiven gilt bis heute als ein bedeutendes Werk der internationalen Filmgeschichte.
Gedreht wurde er in einem Weißenseer Filmatelier.
Wenn Oma Jutta mir von den Filmsets in Weißensee erzählte, bekam dieser Teil der Ortsgeschichte für mich noch einmal eine persönliche Verbindung mehr.
Denn Weißensee war nicht nur ein Dorf mit einem See und einem Vergnügungspark. Der Ort spielte auch eine Rolle bei der Entwicklung des deutschen Kinos.
Welche Spuren der Filmstadt Weißensee sind erhalten geblieben?
An die frühere Filmindustrie erinnern heute unter anderem der Caligariplatz, das Kino Toni und das ehemalige Kino Delphi.
Der Caligariplatz trägt den Namen des berühmten Stummfilms. Dort befindet sich die Brotfabrik, die heute unter anderem ein Kino und Kulturveranstaltungen bietet.
Am Antonplatz steht das Kino Toni, das 1920 als Stummfilmkino eröffnet wurde.
Das ehemalige Kino Delphi in der Gustav-Adolf-Straße stammt aus dem Jahr 1929 und wird heute als Veranstaltungsort genutzt.
Allein rund um den Antonplatz gab es früher mehrere Kinos. Das zeigt, welche Bedeutung der Film für Weißensee hatte.
Falls das Wetter bei deinem Besuch nicht mitspielt, sind solche Kulturorte übrigens auch eine gute Alternative zum Spaziergang.
Weitere Ideen findest du in unserem Artikel Berlin bei Regen.
Wann wurde Weißensee ein Teil von Berlin?
Weißensee wurde 1920 im Zuge der Bildung Groß-Berlins eingemeindet. Zuvor hatte sich das frühere Dorf längst zu einer stark wachsenden Gemeinde entwickelt.
Ein wichtiger Schritt war der Grundstückserwerb durch Gustav Adolf Schön im Jahr 1872. Er ließ große Flächen aufteilen und weiterverkaufen.
Neue Wohnviertel entstanden, darunter das spätere Komponistenviertel. Ursprünglich hieß es Französisches Viertel, weil viele Straßen nach Ereignissen und Orten des Deutsch-Französischen Krieges benannt waren.
1951 erhielten zahlreiche Straßen neue Namen nach Komponisten.
1880 entstand die Landgemeinde Neu-Weißensee. Im Jahr 1905 vereinigten sich Alt- und Neu-Weißensee.
Mit Groß-Berlin wurde Weißensee schließlich Namensgeber eines eigenen Verwaltungsbezirks. Erst die Bezirksreform von 2001 beendete diese Selbstständigkeit. Seitdem gehört der Ortsteil zum Bezirk Pankow.
Welche Bedeutung hat der Jüdische Friedhof Weißensee?
Der 1880 eingeweihte Jüdische Friedhof Weißensee ist mit rund 42 Hektar der flächenmäßig größte erhaltene jüdische Friedhof Europas.
Auf dem Gelände befinden sich mehr als 115.000 Grabstellen. Hier liegen zahlreiche Persönlichkeiten aus Kultur, Wissenschaft und Wirtschaft begraben.
Der Friedhof dokumentiert die Geschichte jüdischen Lebens in Berlin über mehrere Generationen hinweg. Er erinnert zugleich an die Verfolgung und Ermordung jüdischer Menschen während der nationalsozialistischen Herrschaft.
Er ist deshalb weit mehr als eine historische Sehenswürdigkeit.
Wer die Entwicklung von Weißensee verstehen möchte, sollte auch diesen Ort kennen. Seine Geschichte gehört untrennbar zur Geschichte des Berliner Nordostens.
Wie erlebten Berliner den Weißen See in der DDR?
In der DDR blieb der Weiße See ein wichtiger Erholungsort und Treffpunkt für die Bewohner des Stadtbezirks Weißensee.
Mein Vater ist in den 1970er-Jahren unweit des Sees aufgewachsen. Für ihn gehörte der Weiße See zum Alltag und war ein regelmäßiger Treffpunkt.
Solche Erinnerungen finde ich mindestens genauso wichtig wie historische Jahreszahlen.
Nicht jeder Ort muss Schauplatz eines großen Ereignisses gewesen sein, um für eine Stadt Bedeutung zu haben.
Am Weißen See traf man sich, ging spazieren oder verbrachte gemeinsam den Sommer.
Auch die Parkanlage veränderte sich. In den 1950er-Jahren entstand die Freilichtbühne, 1969 wurde die schwimmende Fontäne installiert.
Aus dem ehemaligen Vergnügungspark war längst ein öffentlicher Erholungsort geworden, der über Generationen hinweg seinen Platz im Berliner Alltag behielt.
Warum wird der Weiße See heute saniert?
Der Weiße See wurde über Jahre stark beansprucht. Seit Oktober 2025 laufen deshalb umfangreiche Maßnahmen zur Sanierung seiner Ufer und zum Schutz der Parkanlage.
Wir haben die Veränderungen bei unseren regelmäßigen Spaziergängen selbst miterlebt.
Im Sommer war es teilweise brechend voll. Immer mehr Menschen nutzten die frei zugänglichen Uferbereiche zum Baden. Die Vegetation litt, Böschungen wurden beschädigt und der See geriet zunehmend unter Druck.
Mittlerweile wurde entlang großer Teile des Ufers eine Benjeshecke angelegt. Die aufgeschichteten Äste und Zweige sollen empfindliche Bereiche schützen und gleichzeitig Lebensraum für Tiere schaffen.
Zusätzlich werden Ufer stabilisiert, neue Pflanzen gesetzt und Aussichtsmöglichkeiten geschaffen. meinBerlin
Ich sehe diese Entwicklung überwiegend positiv. Der See wurde übernutzt, und irgendwann musste eine Notbremse gezogen werden.
Natürlich geht mit dem eingeschränkten Wildbaden auch ein Stück Berliner Freiheit verloren. Aber wenn der Weiße See langfristig ein Erholungsort bleiben soll, braucht er selbst die Möglichkeit, sich zu erholen.
Wer sich für weitere Orte interessiert, deren Geschichte und heutige Nutzung eng miteinander verbunden sind, findet in unseren Lost Places noch mehr solcher Geschichten.
Was macht den Weißen See heute so besonders?
Für mich ist es vor allem diese Verbindung aus Geschichte und Alltag.
Hier stand einmal ein Schloss. Hier gab es einen Vergnügungspark mit Tanzsälen und Karussells. Ein paar Straßen weiter entstanden Filme, die heute zur internationalen Kinogeschichte gehören.
Und trotzdem bleibt der Weiße See für mich zuerst der Ort, an dem ich Kastanien gesammelt habe, zum ersten Mal auf dem Eis stand und heute regelmäßig meine Runden drehe.
Er liegt nicht weit von der Berliner Innenstadt entfernt und gehört für mich trotzdem zu den Orten, an denen man wunderbar aus dem Großstadtalltag herauskommt.
Der Weiße See zeigt ziemlich gut, warum ich Berlin so gerne aus dieser Perspektive erzähle: Eine Stadt besteht nicht nur aus den Orten, die man fotografiert, sondern auch aus denen, zu denen man immer wieder zurückkehrt.
Berlin ist keine Sehenswürdigkeit. Berlin ist eine Stadt.
Wir sehen uns im ehrlichen Berlin – oder hier im nächsten Blog.
Haut rein 🖤
Quellen: Buch "Berlin - Weißensee" von Joachim Bennewitz | Buch "Rund um den Weißen See." von von Michael Haslau, Joachim Bennewitz | Website "https://de.wikipedia.org/wiki/Berlin-Weißensee" | VIELE DER BILDER IN DIESEM BEITRAG SIND BEISPIELBILDER UND STAMMEN NICHT VON DEM BESUCHTEN ORT.
Häufige Fragen zur Geschichte von Berlin-Weißensee
Wann wurde Berlin-Weißensee gegründet?
Berlin-Weißensee entstand im frühen 13. Jahrhundert als Straßendorf am Ostufer des Weißen Sees. Die erste gesicherte urkundliche Erwähnung stammt aus dem Jahr 1313. Ursprünglich war Weißensee ein landwirtschaftlich geprägtes Dorf außerhalb Berlins, das sich später zu einer eigenständigen Gemeinde entwickelte.
Woher kommt der Name Weißensee?
Der Ortsteil Weißensee erhielt seinen Namen vom Weißen See. Woher die Bezeichnung des Gewässers ursprünglich stammt, ist nicht abschließend geklärt. Eine historische Erklärung führt den Namen auf die silbrig-weiße Oberfläche zurück, die der See besonders bei bestimmten Wetterverhältnissen zeigt.
Wie ist der Weiße See in Berlin entstanden?
Der Weiße See entstand nach der letzten Eiszeit als sogenannter Toteissee. Ein zurückgebliebener Eisblock schmolz langsam ab und hinterließ eine Vertiefung, in der sich Wasser sammelte. Der See liegt in der eiszeitlich geprägten Landschaft des Niederen Barnims.
Warum gibt es Schloss Weißensee nicht mehr?
Schloss Weißensee wurde im Februar 1919 durch einen Brand zerstört. Während des Ersten Weltkriegs war das Gebäude militärisch genutzt worden. Nach historischen Berichten entzündete sich beim Abzug der Soldaten ein Feuer, als sie ihre Strohsäcke verbrannten. Das Schloss wurde anschließend nicht wieder aufgebaut.
Seit wann gehört Weißensee zu Berlin?
Weißensee gehört seit dem 1. Oktober 1920 zu Berlin. Im Zuge der Bildung Groß-Berlins wurde die zuvor eigenständige Gemeinde eingemeindet und zum Namensgeber eines Berliner Verwaltungsbezirks. Seit der Bezirksreform von 2001 ist Weißensee ein Ortsteil des Bezirks Pankow.
Warum war Weißensee früher eine Filmstadt?
Weißensee entwickelte sich zwischen 1913 und den späten 1920er-Jahren zu einem bedeutenden Standort der deutschen Filmindustrie. Mehrere Produktionsfirmen nutzten die dortigen Filmateliers. Zu den bekanntesten hier entstandenen Werken gehört der expressionistische Stummfilm „Das Cabinet des Dr. Caligari“ von 1920.
Wo wurde „Das Cabinet des Dr. Caligari“ gedreht?
Der Stummfilm „Das Cabinet des Dr. Caligari“ wurde 1919 in den Lixie-Filmateliers in Berlin-Weißensee gedreht und 1920 veröffentlicht. Der Film von Robert Wiene gilt als eines der bedeutendsten Werke des deutschen expressionistischen Kinos. Heute erinnert unter anderem der Caligariplatz in Weißensee an diese Filmgeschichte.
Wie alt ist das Milchhäuschen am Weißen See?
Das erste Milchhäuschen am Weißen See wurde 1913 als kommunale Milchverkaufsstelle eröffnet. Dort wurden unter anderem Produkte aus dem gemeindeeigenen Kuhstall des damaligen Säuglings- und Kinderkrankenhauses angeboten. Der ursprüngliche Bau wurde in den 1960er-Jahren ersetzt. Seit 2025 befindet sich im heutigen Gebäude das griechische Restaurant „Ormos by Milchhäuschen“.
Warum darf man im Weißen See nicht mehr überall baden?
Das Baden im Weißen See ist offiziell auf das Strandbad Weißensee beschränkt. Die übrigen Uferbereiche wurden durch jahrelange Übernutzung stark belastet. Seit 2025 werden große Teile des Ufers saniert und durch eine Benjeshecke geschützt, damit sich die Vegetation erholen kann und weitere Schäden an den Böschungen vermieden werden.
Was stand früher am Weißen See?
Am Südufer des Weißen Sees stand früher das 1859 errichtete Schloss Weißensee. Später entwickelte sich das Gelände zu einem großen Vergnügungspark mit Tanzsälen, Karussells, Bierlokalen und weiteren Unterhaltungsangeboten. Das Schloss brannte 1919 ab. Aus dem ehemaligen Schlosspark entwickelte sich der heutige Park am Weißen See.
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